| 75 Jahre Söllners Brezen am Lichtenfelser Schützenfest |
Chronik-Inhalt |
Anläßlich des 75jährigen Jubiläums “Söllners
Brezen am Lichtenfelser Schützenfest“ wurde von der Bäckerei
Söllner ein 4seitger Werbeprospekt aufgelegt und am Schützenfest
2002 verteilt. Nachdem „Söllners Brezn“ schon ein fester Bestandteil
des Lichtenfelser Schützen- und Volksfestes geworden sind, wurde der
Text für die Chronik mit übernommen.
Söllners Laugenbrezen am Lichtenfelser Schützenfest werden 75!
Sie gehören dazu und sind längst eine Institution, ohne die
das Lichtenfelser Schützenfest nicht mehr so wie früher wäre.
Wie die Breze zum Lichtenfelser Schützenfest kam.
Die Laugenbreze ist ein Gebäck, das eigentlich im süddeutschen
Raum zuhause ist. In Lichtenfels war sie bis 1927 unbekannt. Erst der Bäckermeister
Josef Söllner führte sie 1927 in Lichtenfels als Gebäck
für das Lichtenfelser Schützenfest ein. Josef Söllner stammte
aus einer Bäckerei in Schwandorf und hatte bei seiner Wanderschaft
als Bäcker in München die Laugenbrezen kennengelernt.
1924 im November heiratete er Marie Donath, die Tochter des Lichtenfelser
Bäcker- und Müllermeisters Georg Donath, und arbeitete ab da
in der Bäckerei mit.
Es war nicht einfach, die Brezen für das Schützenfest backen
zu dürfen.
Die Königlich-Privilegierte Schützengesellschaft in Lichtenfels
war ein besonderer Verein. Wer dort aufgenommen werden wollte, mußte
einen Antrag stellen. Über die Aufnahme in den Schützenverein
wurde geheim mit weissen und schwarzen Kugeln abgestimmt.
Es war nicht selbstverständlich, dort Mitglied zu werden. Doch
Josef Söllner stammte aus einer Schützenfamilie. Sein Vater,
Bäckermeister und Gewerberat Josef Söllner, war ein bekannter
Schütze und Stadtrat in seiner Heimatstadt Schwandorf. Immerhin war
er Bayerischer Schützenmeister geworden. Die Söhne kannten den
Schützenverein und den Schießsport also von Hause aus.
Mit dieser Familientradition fanden sich bei der Abstimmung in der
Königlich Privilegierten Schützengesellschaft mehrheitlich weiße
Kugeln zugunsten der Aufnahme von Josef Söllner.
1927 entstand die Idee, für das Lichtenfelser Schützenfest
die Münchner Laugenbrezen zu backen. Das war kein leichtes Unterfangen.
Denn die Laugenbreze ist ein Gebäck, das besonders viel Handarbeit
einforderte. Offensichtlich fand das neue Gebäck, die Söllners-Brezen,
guten Anklang, auch wenn am Anfang die Leute das neue Gebäck erst
vorsichtig probierten.
Trotzdem: die Tradition blieb erhalten, so dass seitdem alle Jahre
wieder zum Schützenfest die Bäckerei Söllner in der inzwischen
dritten Generation zum Schützenfest die Brezen backen -bis heute!
Das Besondere der Lauenbreze am Schützenfest
1927 war die Münchner Breze eine seltene Spezialität, weil
ihre Herstellung viel spezielle Arbeit bedeutet. Heute kann man an jeder
Ecke Laugenbrezen kaufen. Wenn man sich die aufwendige Verarbeitung anschaut,
fragt man sich, wie das geht.
Die Erklärung ist einfach: Diese Brezen sind industriell als Teiglinge
vorgelaugt, vorgegart, eingefroren und müssen nur noch im gefrorenen
Zustand in den Ofen geschoben werden. Damit sind sie zwar äußerlich
schön und frisch, aber haben mit einer handgefertigten Münchner
Breze nichts zu tun.
Fachleute rätseln, warum solche Ware noch nach Monaten Tiefkühltruhe
backfähig ist ...
Traditionell hergestellte Laugenbrezen jedoch bedürfen einer fachlich
hohe Anforderung, die im Hause Söllner von Generation zu Generation
übertragen wurde.
Grundlage für eine Laugenbreze ist natürlich erst einmal
die Rezeptur. Bei der Teigherstellung sind verschiedene Komponenten zu
beachten, die in keinem Fachbucb stehen. Brezenteige müssen so fest
gehalten werden, dass nur spezielle Knetmaschinen in Frage kommen. So manche
dieser Arbeitsgeräte haben während eines Schützenfestes
ihren Geist aufgegeben.
Im nächsten Schritt werden die Teige zu einzelnen "Pressen" ausgewogen,
die dann wiederum mit einer Teigteilmaschine zu den einzelnen Rohlingen
vorgeformt wurden. In einer speziellen Brezenlangrollmaschine, die nur
im württembergiscben Raum zu beziehen war, wurden die Teiglinge zu
einem Strang geformt. Aus diesem Strang wurden und werden - bis heute –
von Hand die Endform der eigentlichen Breze geschlungen. So hinterlässt
jeder Bäcker bei dieser Handarbeit seine eigene "Handschrift". Danach
werden diese Brezen auf Gare gestellt, die möglichst trocken sein
und lange dauern sollte.
Die gegarten Teile wurden dann von Hand in die Lauge gelegt und dann
wiederum von Hand auf einen speziellen Holzschiesser, mit dessen Hilfe
sie mit viel Fingerspitzengefühl in den ca. 250 Grad heißen
Backofen geschoben wurden.
Eine nicht ungefährliche Arbeit, denn Spritzer von Natronlauge
auf Haut oder gar in den Augen verursachen Verätzungen.
Nach ca. 15 Minuten Backzeit konnten dann die goldbraunen, knusprigen
Laugenbrezen ausgebacken werden.
Der Geschmack der Breze
Vielleicht fällt Ihnen auf, dass die Brezen durchaus unterschiedlich
schmecken können? Das hängt - wie bei vielen Nahrungsmitteln
– nicht nur an der Art der Herstellung und am Rezept. Es hängt auch
daran, wie viel Zeit so ein Teig hat, um sich zu "entfalten".
Müssen viele Brezen "aufgemacht" werden, liegen die einzelnen
Teiglinge länger und können ihr Aroma anders entfalten, als wenn
sie schnell „fertig" sind. Auch das Klima wirkt auf den Teig ein. Und so
schmeckt keine handgemachte Breze wie die andere.
Es ist verständlich: Wenn nach dieser schweißtreibenden
Arbeit bei bis zu 50 Grad in der Backstube am Abend Gewitterwolken aufzogen,
spielten sich manche Familiendramen ab. Denn eines liebt die Breze überhaupt
nicht: Regen und hohe Luftfeuchtigkeit!
Die Lauge und das Salz wittern die Feuchtigkeit lange, bevor es überhaupt
regnet und ziehen sie an. Selbst frischeste Ware wird dann binnen einer
Stunde als alt empfunden, obwohl die Breze als ausgesprochenes Tagegebäck
immer nur frisch gemacht werden kann.
Man muß bloß an den Schützenfestsonntagen in der Maingasse
10 bei der Bäckerei Söllner vorbeischauen, dann sieht man, wie
hier gearbeitet und an der Tradition der Söllners Brezen am Lichtenfelser
Schützenfest festgehalten wird.