| Kurze Chronologie der Lichtenfelser Schützengesellschaft |
Chronik-Inhalt |
1. Die Entstehung des Schützenwesens in Lichtenfels
Einleitung zur Chronik
1258 - 1413 - 1500
- 1513 - 1519 - 1629
- 1630 - 1726 - 1750
- 1802
2. Wiedergründung und Aufbau der kgl. privil.Scharfschützengesellschaft
Lichtenfels
1810 - 1814 - 1827
- 1834 - 1863 - 1866
- 1868 - 1870 - 1889
- 1893 - 1897
3. Hundertjahrfeier und schwere Zeiten - nicht nur für die
Schützen
1910 - 1914 - 1919
- 1921-1933 -1935-
1939
- 1943 - 1945
4. Der Wiederaufbau
1948 - 1950 - 1951
- 1952 - 1954
5. "... wieder privilegiert"
1960 - 1961 - 1963
- 1967 - 1968 -1969
6. "neue Zeiten brechen an"
1970 - 1971 - 1972
- 1974 - 1975 - 1977
7. "die Jubiläen"
1980 - 1983 - 1985
-
1986
- 1987 - 1988
8. "große Leistungen"
1990 - 1994 - 1996
- 1998 - 1999
9. "unbegrenzte Möglichkeiten ..."
2000 - 2001 - 2002
Chronik
Über das genaue Gründungsjahr der Schützengemeinschaft sind wir nicht unterrichtet. Die Schützen entstanden aus Schutzgilden und Wehrgemeinschaften, die in der Erhaltung der allgemeinen Sicherheit ihre Aufgaben sahen; ihre Schützenfeste feierten sie (Armbrust- und Büchsenschützen), wenn sie ihre Stadt erfolgreich verteidigt hatten.
Im Jahre 1910 beschäftigte sich Geheimer Kommerzienrat Georg Krauß, anläßlich der Hundertjahrfeier der Schützengesellschaft erstmals mit der Geschichte der „Lichtenfelser Schießgesellen“.
Er schrieb: „Die Aufzeichnungen, die wir vorfinden, sind
leider, wie alle Aufzeichnungen aus verflossenen Jahrhunderten, nicht nur
spärlich an der Zahl, sondern vor allen Dingen nicht eingehend genug,
um uns an ihrer Hand ein Bild entwerfen zu können von dem eigentlichen
Treiben unserer Schießgesellen.
Die Aufzeichnungen, die von der Zunft zweifelsohne geführt
wurden, gingen verloren. Nur vereinzelt lassen sich aus den Ratsprotokollbüchern
und sonstigen Quellen knappe Hinweise zur Geschichte des Schützenwesens
entnehmen. Durch Vergleich mit den Nachbarstädten, wo ähnlich
gelagerte Verhältnisse bestanden, ergeben sich aber ziemlich zuverlässige
Schlüsse.
Die Schützen entstanden, wie schon der Name sagt,
einst aus den sogenannten Schutzgilden, die zur Erhaltung der allgemeinen
Sicherheit, wie zur Unterstützung der Armen oder der durch Feuer usw.
Heimgesuchten gebildet wurden.>>>>>
Der Ursprung der Schützengilden fällt mit der
Entwicklung von Ansiedlungen zu Städten und, damit verbunden, des
Entstehens eines freien Bürgertums zusammen. Es waren bewaffnete Bürgerverbindungen,
denen der Schutz der Städte oblag, und nur Männer mit Ehre und
einem tadellosen Lebenswandel fanden unter ihnen Aufnahme.
Das Vorrecht des Waffentragens war Ausdruck hoher Ehre
und öffentlicher Achtung, außerdem waren damit bedeutende Vergünstigungen
(Privilegien) verbunden.
Der Wortstamm des Namens "der Schütze" ist mit "zu
schützen" verwandt, ebenso das Wort "schießen".
In der Schützengilde erhält die bewaffnete
Bürgerschaft im 15. Jahrhundert ihre Organisation.
Der älteste Hinweis auf diese Gemeinschaften stammt
von Bischof Otto II. von Münster aus dem Jahre 1258.
Eine von diesem Kirchenfürsten verfaßte Urkunde regelt die Pflicht
zur Teilnahme an den Schutz-Gildenschaften.
Das Aufkommen der Städte und die zu Ihrer Verteidigung
notwendigen militärischen Maßnahmen, die sich naturgemäß
auf die Bürgerschaft stützen mußten, erforderten eine allmähliche
Neuordnung der Streitmacht in den städtischen Siedlungen. Waren bis
dahin die landesherrlichen Heere aus der wehrpflichigen Ritterschaft und
deren Gefolgsleuten zusammengesetzt, so traten im 13. und 14. Jahrhundert
auch die an Zahl immer mehr zunehmenden Städte dabei in Erscheinung.
Wir finden schon zu Anfang des 15.Jahrhunderts
in den einschlägigen Akten der „Schießgesellen“ Erwähnungen
und glauben mit Recht annehmen zu dürfen, daß schon im Jahre 1413
eine Art Schützengesellschaft in Lichtenfels bestand. Die Gründung
erfolgte nicht in einem bestimmten Jahr; sie entwickelten sich vielmehr
aus jenen städtischen Wehrgemeinschaften, die von Anfang an auch die
Schützen einschließen mußten, wenn sie ihrer Aufgabe,
dem allgemeinen Wohl der Stadt zu dienen, gerecht werden wollten. Diese
städtischen Wehrgemeinschaften sind ohne Zweifel so alt wie die Städte
selbst, so dass in allen Fällen ihre Entstehung sich im Dämmerlicht
der frühen hochmittelalterlichen Geschichte verliert. >>>>>
Waren anfänglich die Schützen nur mit Armbrüsten
bewaffnet, so folgten sie dem Fortschritt der Waffentechnik und traten
bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts auch als Büchsenschützen
auf.
Beide Gruppen - Armbrust- und Büchsenschützen
- bildeten als Bestandteile derselben städtischen Wehrinstitution
stets eine Einheit; so wie sie im Ernstfalle gemeinsam die Stadt verteidigten,
feierten sie auch gemeinsam ihre Schützenfeste.
Georg Krauss nennt das Jahr 1 4 1 3, weil hier unter Bischof Albert für Lichtenfels eine neue Stadtordnung erlassen wurde, die Verfassung und Gerichtswesen regelte. Den Schießgesellen wurde wahrscheinlich im Rahmen der Verteidigung eine wesentliche Rolle zuteil, doch finden sich hierüber keinerlei schriftliche Belege. >>>>>
Der älteste schriftliche Nachweis über die Lichtenfelser
Schützen befindet sich im Bamberger Staatsarchiv. Das Bamberger Ratsmemorialbuch
für die Zeit von 1470 bis 1527 enthält nachfolgenden
Eintrag über das „Landtschießen anno 1500
zu Bamberg“, es werden viele Adelige aus dem Bamberger Land und verschiedene
Städte erwähnt.
Aufzeichnungen, vermutlich von der Feder des damaligen
Bamberger Stadtschreibers, berichten von den Veranstaltungen eines Bamberger
Landschießens, das am St. Bartholomäustage, dem 24.August des
Jahres 1500, begann. An 54 Städte ergingen Einladungen zur
Abordnung von Schützen zu diesem Fest. Insgesamt 19 Schützenabordnungen
von auswärtigen Orten waren vertreten: von Zeil, Schleusingen, Kronach,
Gerolzhofen, Haßfurt, Wertheim, Volkach, Dettelbach, Baunach, Schweinfurt,
Nürnberg, Staffelstein, Ebern, Römhild, Ochsenfurt, Coburg, Herzogenaurach,
Strullendorf und schließlich auch von Lichtenfels. Namentlich ist
der Lichtenfelser Bürger Heintz Mulner genannt. Geschossen wurde sowohl
mit der Armbrust wie mit der Büchse. Das „Beste“, das heißt
der Hauptgewinn bei beiden Schießen, bestand in je einem „verdeckten
Ochsen“, ein zweiter Gewinn war ein silberner und übergoldeter Sankt
Georg. >>>>>
Die nächste Nachricht entstammt der Lichtenfelser Stadtrechnung von 1513/14. Sie vermerkt unter dem Titel Ausgaben: "Geben 2 Gulden den Büchsenschützen, die uf das Schießen gen Bamberg gezogen, uf Befehl eines Rats".
Eine Menge von Belegen aus Lichtenfelser Forst- und Castenrechnungen zwischen 1519 und 1741 machen deutlich, wie die Stadt Lichtenfels an der Pflege des Schützenwesens interessiert war und dass sie es sich nicht nehmen ließ – wenn auch zum Teil aus egoistischen Gründen – ihre „Schießgesellen“ zu unterstützen.
1629
Am 26. Juni 1629 berichten die Schützen und
Schießgesellen zu Lichtenfels, ihr Schießhaus sei eingefallen,
die Schützen können deshalb bei Regenwetter nicht mehr zu den
hergebrachten Übungen kommen. Sie wollten ihr Schießhaus gerne
wieder aufbauen und wollten bei Tag und Nacht auch Leib und Leben, Gut
und Blut bereitwillig einsetzen, man möge ihnen deshalb das Bauholz
zum Schießhaus zur Verfügung stellen. Darauf gab der Fürst
vom Bamberg auf Vorschlag des Lichtenfelser Forstmeisters 74 Reiser und
3 Bäume in Carl Dehlers Forstrevier bei Steinern Kreuz und hinterm
Freistuhl in Gnaden, das heißt kostenlos ab. (Forstprotokoll im Staatsarchiv
Bamberg) >>>>>
1629/1630
Aus der Stadtrechnung des Jahres 1629/1630 ist
zu ersehen, dass zur Erbauung des neuen Schießhauses die Stadt einen
Zuschuß von 50 Gulden leistete.
1726
Unter den in der Stadtpfarrkirche aufbewahrten Fahnen
wird auch die Jägerfahne erwähnt. Gemeint war die Schützenfahne.
Sie scheint verloren gegangen zu sein, da sie in späteren Inventaren
nicht mehr erwähnt wird (Lichtenfelser Pfarrarchiv) >>>>>
Über die Zeit von1750 bis 1810 sind keine Aufzeichnungen über Lichtenfelser Schützen vorhanden. Auch das Bamberger Staatsarchiv, das alle Forst- und Castenrechnungen das oberfränkischen Raumes bis 1802 fast lückenlos aufweist, erwähnt die Lichtenfelser Schützen nicht mehr. Die Behörden stellten in dieser Zeit ihre eigenen offiziellen Schutztruppen auf. Offensichtlich waren damit die Schützen als „Hilfspolizisten“ nicht mehr gefragt, der Niedergang der Schützenzunft war nicht mehr aufzuhalten. Der Geist der französischen Revolution hat sicher den Niedergang beschleunigt. >>>>>
Der Schützengeist ist in Lichtenfels jedoch nicht ausgestorben. Im Jahre 1810 überlegten und beschlossen Lichtenfelser Bürger, die Tradition der alten Lichtenfelser Schützenzunft wieder aufleben zu lassen und sie – nun auf sportlicher Basis – fortzusetzen. Am 2.Juli 1811 war es soweit: Lichtenfelser Bürger gaben sich eine Schützenordnung und wählten einen Oberschützenmeister und einen Unterschützenmeister, die „Schützengesellschaft Lichtenfels“ war gegründet.
In der Generalversammlung vom 10. Juli 1814
ersetzten die Schützen ihre Satzung durch eine ausführliche,
die auf der Grundlage der königlich-bayerischen Schützenordnung
vom 21. Juli 1796 baute.
Ab 1819 erfolgt eine Zeit der Ermüdung und
Rückganges, da der hohe Aufwand für die Feste nicht mehr von
allen Schützen getragen werden kann. Es wird auf die Durchführung
der Schützenfeste verzichtet, obwohl sie so erfolgreich waren. Damit
verbunden ist ein völliger Stillstand jeglicher Vereinstätigkeit.
Die bei der Gründung 1811 errichteten Gebäude,
das Schützenhaus und das Schießstand-Häuschen sind mittlerweile
baufällig. >>>>>
Das Beschlußbuch des Stadtmagistrats von
Lichtenfels enthält unter dem 22. August 1827
den Eintrag: "Da das Schießhaus in einem polizeiwidrigen und gefahrvollen
Zustand, nach abgenommener Einsicht befunden worden ist, soll dasselbe
auf Kosten der Gemeinde eingelegt und das Material bis auf Weiteres an
einem sicheren Ort verwahrt werden." Übrig bleibt lediglich die Schießmauer
mit dem Zielerstand.
Der alte Schützengeist war jedoch nicht erloschen.
Die treibende Kraft der 2.Wiedergründung ist Johann Baptist Silbermann.
Er baut aus eigenen Mitteln im Jahre 1834
auf dem Anger ein neues Schießhaus.
Der heutige Vorsaal verkörpert diesen Bau. Als offizieller
Gründungstag darf der 29. Mai 1834 genannt werden.
Auch in den folgenden Jahren ging es mit der Gesellschaft stets aufwärts. Bald war das Schützenhaus zu klein. Im Jahre 1863 beschloß man, das Schützenhaus zu erweitern. Der Anbau bestand aus einem Tanzsaal, einem Spielzimmer, einem Buffet und einer Küche. Die ganze Anlage erhielt eine neue Bedachung, eine Heizungs- und eine Gaseinrichtung. >>>>>
Als im Jahre 1866 der Krieg
zwischen Bayern und Preußen ausgebrochen war, wurde das Schützenhaus
von bayerischen Truppen belegt, teils als Wachtgebäude, teils als
Schreibstube. Die Schützen holten ihr Schützenfest nach dem Friedensvertrag
vom 23. August 1866 nach.
Welches Ansehen die Lichtenfelser Schützen zu dieser
Zeit genossen, wird deutlich, dass ihnen Herzog Maximilian von Bayern,
der damalige Schloßherr von Banz, einen fein gearbeiteten Silberpokal
überreichen lies.
Im Jahr 1868 ließ
der bayerische König eine neue Schützenordnung ausarbeiten und
dem Verein vorlegen. Die Generalversammlung vom 25.Oktober 1868
genehmigte einstimmig die neue Satzung. Dadurch erhielt die Gesellschaft
das Recht, den Titel "Königlich Privilegierte Scharfschützengesellschaft"
zu führen. >>>>>
Der deutsch-französische Krieg 1870/71
brachte wesentliche Behinderungen im Vereinsleben. Nicht nur das herkömmliche
Schützenfest mußte 1870 unterbleiben, auch das Schießhaus
selber diente vom 18.September 1870 bis 31.März 1871
als Vereinslazarett. Der Lichtenfelser Zweigverein zur Pflege im Felde
verwundeter und erkrankter Krieger, unter Vorsitz von Bezirksamtmann Dr.
Heim, richtete ab 13.September 1870 unter freiwilliger Mithilfe
der Einwohnerschaft im Schießhaussaal ein Lazarett ein.
Um im Sport leistungsfähig zu bleiben, wurden in 1889
die Schießstände von 100 m auf 175 m erweitert. Beim Schützenfest 1893
gelangte der vom hiesigen Chorrektor Lutz komponierte
"Lichtenfelser Schützenmarsch" unter Zugrundelegung
der Melodie "Im Wald und auf der Heide" erstmals zur Aufführung. Leider
hat sich der Marsch im Schützenarchiv nicht erhalten und ist bis heute
verschollen. Das Schützenhaus wurde schon 1897
an den Fernsprechverkehr angeschlossen, der Festplatz bereits mit Gasglühlicht
beleuchtet. >>>>>
Das Jahr 1910 stand für
die Schützen ganz im Zeichen der Hundertjahrfeier der 1.Wiedergründung.
121 Schützen beteiligen sich am sportlichen Wettbewerb.
Über den "Ehrengabentempel" schreibt ein Zeitzeuge: "Einig ist man
sich wohl allseits darin, daß noch selten ein Schützenverein
ein Jubiläumsschießen an Ehrengaben so ausstatten konnte, wie
Lichtenfels es vermochte."
Auch in den nächsten Jahren feiern die Schützen
rauschende Feste.
Für die Zeit vom 12. bis 15 Juli 1914
hatte die Schützengesellschaft zum Schützenfest geladen. Das
Schießprogramm für das Hauptschießen wurde auf sechs Scheiben
abgehalten. Es gab eine Glück-, Meister-, Adler-, Haupt-, Fest- und
Ehrenscheibe. Die Entfernung vom Stand des Schützen bis zur Scheibe
betrug 175 Meter. Es wurde außerdem auch eine Wildscheibe „laufender
Keiler“ beschossen. Am Sonntag vormittag 10.30 Uhr war der Schützenauszug.
Diese Tradition besteht auch heute noch. Der Festball wurde am Montag,
19.30 Uhr abgehalten und am Dienstag um die gleiche Zeit war das Festkonzert.
Ein weiteres Konzert wurde am Mittwoch um 19.30 Uhr abgehalten. Am diesem
Tag fanden auch die Preisverteilung und der Schützeneinzug statt.
Danach erfolgte die Rückbegleitung der Fahne mit Musik zum Rathaus.
Auch dieser Brauch hat sich bis in die heutige Zeit gehalten. >>>>>
Doch mit dem Ausbruch des 1.Weltkrieges am 28.Juli 1914erlosch die Tätigkeit der Schützen für vier Jahre.
Am 3.August 1919 erst wagte
man, wieder ein Schützenfest zu veranstalten.
Die Schützenfeste in den Jahren 1921-1923
standen im Zeichen der Inflation. Im Jahr 1923 betrug bei der Abschlußrechnung
der Kassenbestand einen Wert von 207 Billionen. Trotzdem war die Gesellschaft
praktisch finanziell nicht mehr handlungsfähig, wenn man bedenkt,
dass eine Monteurstunde 51.000 Mark und eine Sicherungspatrone 330.000
Mark kostete.
Am 14. Mai 1933 wurde eine Kleinkaliber-Abteilung
als Jugendschützenabteilung gegründet. Sie sollte den Nachwuchs
für die Altschützengesellschaft sichern. >>>>>
Mit der Machtübernahme Hitlers 1933
erfolgt die Gleichschaltung der Gesellschaft im Sinne der NSDAP. Die bisherige
Schützenordnung von 1868 wurde außer Kraft gesetzt. Die
neue Satzung war auf das Führerprinzip ausgerichtet: Wahl eines Führers,
des Stellvertreters und zweier Kassenprüfer die Beiräte und Mitarbeiter
wurden bestimmt. Als Führer wurde Udo Krauss, als dessen Stellvertreter
Hans Frank gewählt. Diese Männer galten als Garanten dafür,
die Gesellschaft fern der Tagespolitik im alten sportlichen und kameradschaftlichen
Geist fortzuführen.
1935 wurden erstmals Wettkämpfe
im Kleinkalibersport durchgeführt. Ab 1937
wurde das Kinderfest zu einer festen Einrichtung während des Schützenfestes.
Der Ausbruch des 2.Weltkrieges bewirkte eine Lähmung des Schießbetriebes und des Vereinslebens. Es konnte noch geschossen werden - wenn auch in beschränktem Umfang. Ab 1943 stand das Schützenhaus dem Roten Kreuz als Reservekrankenhaus zur Verfügung. >>>>>
Mitte April 1945 wurde
das Haus teilweise zerstört. Viele wertvolle Scheiben gingen dabei
verloren, ein Teil des Schützenarchives wurde verbrannt.
Die Schützengesellschaft war praktisch tot, sie
hatte auch keine rechtliche Vertretung mehr.
Die Wiedergründung erfolgte1948
durch
die Gründung des "Gesellschaftsvereins Lichtenfels". Der Name wurde
- als es die Besatzungsmacht zuließ - noch im gleichen Jahr geändert,
der alte Name "Privilegierte Scharfschützengesellschaft Lichtenfels"
wurde wieder eingeführt.
Am 15.Dezember 1949 wurde
die Priv. Scharfschützengesellschaft wieder unter ihrem alten Namen
in das Vereinsregister eingetragen, erhält aber den Zusatz e.V.. >>>>>
Das Freischießen führte vom 17. bis 24. Juli
1949
der Stadtrat Lichtenfels als "Volksfest" mit Kinderfest und Trachtenzug
durch. Im Jahr 1950 war die Schützengesellschaft
nach einer Pause von 10 Jahren erstmals wieder in der Lage, das traditionelle
Schützenfest aus eigener Kraft durchzuführen. 1951
zum Schützenfest kann die Gesellschaft als Ehrengäste den bayerischen
Wirtschaftsminister Dr. Seidel und Bundesjustizminister Dr. Dehler begrüßen.
Beim Abschießen ist zum ersten Mal eine Damenscheibe aufgestellt,
die sehr viele Damen auf den Schießstand lockt.
Am 17. Februar1952,
versammelten sich im Schützenhaus Lichtenfels die Vertreter von 12
Schützengesellschaften aus den Landkreisen Coburg, Kronach, Lichtenfels
und Staffelstein und den kreiseigenen Städten Coburg, Neustadt bei
Coburg und Rodach, zur Gründungsversammlung des Schützengau
Nord.
Nach einem Aufruf des Innenministeriums 1954
erkannte man die Satzung von 1868 wieder an, der alte Titel "Königlich
privilegierte" kam dadurch wieder zu Ehren. >>>>>
1960 ist ein weiterer Markstein
der Geschichte der Gesellschaft.
Drei Jahre dauerten die umfangreichen Vorbereitungen,
um die 150 jährige Wiedergründung der Gesellschaft würdig
begehen zu können. Die neue Schießanlage wurde am 30.4.1960
eingeweiht. Sie umfaßte 13 Stände für Luftgewehr, 4 Kleinkaliberstände
50 m, 3 Großkaliberstände 100 m,
und 1 Pistolenstand 25 m. Die Anlage zählte zu den
schönsten und modernsten Anlagen Oberfrankens. Auch das Innere des
Schützenhauses wurde renoviert. Das Schützenfest auf 10 Tage
ausgedehnt.
Der Stadtarchivar, Heinrich Meyer, schreibt eine Chronik
des Lichtenfelser Schützenwesens, in der der Lichtenfelser Schießsport
und das gesellschaftliche Leben durch Jahrhunderte hinweg aufgezeichnet
wird. Fotos der Schützenkönige seit 1910 werden gesammelt
und in einem Bild vereinigt.
Sportlich ist dieses Hauptschießen ebenfalls sehr
bemerkenswert: 501 Schützen kommen aus nah und fern nach Lichtenfels,
ein Rekordergebnis! >>>>>
1961 werden erstmalig die Gaumeisterschaften
in Lichtenfels ausgetragen, da nun alle Disziplinen durchgeführt werden
können. Durch die Initiative des 1. Geschoßmeisters Rudolf Großmann
und Herbert Lewandoske wird eine Pistolenmannschaft gebildet, die in Vergleichsschießen
mit Coburg, Kronach und Bamberg bereits gute Erfolge erringen kann.
Das Innenministerium hat eine grundsätzliche entschließung
über den Rechtsstand der "Privilegierten Schützengesellschaften"
gefaßt. Das Recht, die Bezeichnung "privilegiert" zu führen,
kommt nur denjenigen Schützengesellschaften zu, die ihre Rechtspersönlichkeit
vor dem Inkrafttreten des BGB durch Anerkennung der Schützenordnung
vom 25. August 1868 erlangt und nicht durch ausdrückliche Entziehung
das "Privileg" wieder verloren haben.
Damit ist die Gesellschaft zur Führung des Namens
" Königlich privilegierte Scharfschützengesellschaft Lichtenfels"
berechtigt. >>>>>
Am 29.5.1963 wird die
Eintragung der Gesellschaft aus dem Vereinsregister gelöscht.
1967 werden zwei neue KK-Stände
gebaut. Am Heilig Abend des Jahres 1967 werden die Schießstände
von einem Hochwasser heimgesucht; die Schießanlage wird in einer
Höhe von 2,70m überflutet und dadurch die gesamte KK-Anlage vernichtet.
1968 wird das Königsschießen
erstmals mit dem Kleinkaliber auf 50m Entfernung durchgeführt. Damit
soll ein vorzeitiges Bekanntwerden des Königs verhindert werden. Die
Schußzahl ist noch unbeschränkt, bei zwei Kartentreffern muß
das Schießen beendet werden.
1969 erfolgte die Übergabe der neuen Anlage der Pistolenstände; auf die Königsscheibe dürfen jetzt nur noch zwei Schüsse abgegeben werden. >>>>>
1970 fallen wesentliche Arbeiten am Schützenhaus an: Erneuerung der Saaldecke, Einbau neuer Türen und Renovierung des Dachgebälks.
1971 führt die Gesellschaft erstmals einen dreitägigen Herrenausflug nach St. Pauls/Südtirol durch.
1972 werden die 50m Stände elektrisch beleuchtet.
1974 wurde die Abteilung der
Vorderladerschützen gegründet.
Seit diesem Jahr wird auch der "Tag der behinderten Kinder"
während des Schützen- und Volksfestes organisiert. Die Initiatoren
seit Beginn und in den letzten Jahren waren H.S. Birger, Heinz Caspari,
Richard Weberpals, Heinz Angermüller, Kurt Göbel, Hans Büttner,
Karl-Heinz Orlishausen, Heinz Bollmann. >>>>>
Die "altersschwache" Fahne kann bei Umzügen nicht mehr mitgeführt werden. Dr. Baptist Hofmann stiftet eine neue Schützenfahne. Sie wird im Rahmen einer Feierstunde am 12. Juli 1975 im Rathaussaal geweiht und der Gesellschaft übergeben.
1977 wurden die Luftgewehrstände
"winterfest" gemacht und völlig neu gestaltet.Im April des Jahres
1977
findet das Eröffnungsschießen statt. Die Ehrenscheibe zeigt
den Oberzieler Albrecht Geldner, der in seiner Uniform alljährilich
beim Schützenauszug "voraustanzt". Die Gesellschaft hat als einer
der letzten bayerischen Schützenvereine einen Oberzieler der Prägung
des vergangenen Jahrhunderts.Vor dem 2.Weltkrieg gab es in der Gesellschaft
drei Zieler, welche aus einem Graben, direkt unterhalb der Schießscheiben,
den Schützen ihre Treffer angezeigt haben.
Im April findet im Schützenhaus der Oberfränkische
Schützentag statt. 300 Delegierte aus 293 Vereinen werden begrüßt.
Der erste Landesschützenmeister spricht der Gesellschaft ein hohes
Lob für die gute Organisation aus. >>>>>
Als Auftakt zum Schützenfest erhalten die Schützendamen
erstmals eine wertvolle Kette für die Schützenkönigin. Das
Schützenfest erhält in diesem Jahr einen sehr starken amerikanischen
Akzent. Über 80 Gäste der Partnerstadt Vandali feiern mit den
Lichtenfelsern das Volksfest und marschieren auch beim Kinderfestzug mit.
Seit 1980 erfolgten eine
Reihe von baulichen Veränderungen im Schützenhaus selbst:
die Schänke wurde neu gestaltet, der Kühlraum
erneuert, die Heizung von Öl auf Gas umgestellt, neue Toilettenanlagen
eingebaut, der Dachboden gründlich renoviert, die Schießstände
beheizbar gemacht. Im innenbetrieblichen Bereich der Gesellschaft erfolgt
die Umstellung der Mitgliederverwaltung auf EDV und die elektronische Auswertung
der Schießergebnisse.>>>>>
1983 lädt das Schützenmeisteramt erstmals die Damen der verstorbenen Schützenbrüder im Rahmen des Schützenfestes zu einer Kaffeetafel in das Schützenhaus ein. In diesem Jahr wurde auch der Brauch aufgegriffen, zum Schützenfestbeginn die Bewohner des Altenheimes durch ein Ständchen zu erfreuen. Es erfolgt der Aus- und Umbau der ehemaligen Garderobe zum Jugendzimmer. >>>>>
1985 feiert die Gesellschaft
das 175 jährige Jubiläum der Wiedergründung.
Der Festzug war eine Demonstration und Dokumentation
oberfränkischen Schützenwesens. Abordnungen von mehr als
20 oberfränkischen Schützenvereinen mit nahezu 1000 Teilnehmern
bildeten einen bunten Zug durch die Korbstadt, hin zum Schützenplatz.
Unter den vielen Ehrengästen waren auch Andreas Hartinger, Präsident
des Deutschen Schützenbundes und Landesschützenmeister, Hans
Hümmer Bezirksschützenmeister, Wolfgang Felmberg zweiter Gauschützenmeister.
Der Schirmherr Herzog Max von Bayern musste leider aus dringenden familiären
Gründen die Teilnahme absagen.
Auch das „Kaiserwetter“ blieb den Schützen während
der gesamten Festtage treu. >>>>>
Am 24. Februar 1986 erlischt der Bierlieferungsvertrag mit der Brau AG Nürnberg und die Altenkunstadter Brauerei LEIKEIM übernimmt die Bierlieferung, auch für das Schützenfest.
1987 wurde erstmals der Kinderfasching vom Faschingssonntag auf den Faschingsdienstag verlegt und wurde ein so toller Erfolg, dass diese Veranstaltung auch in den späteren beibehalten wurde.
Die Anwesenheit von Herzog Max in Bayern und des Präsidenten des Deutschen Schützenbundes Andreas Hartinger 1988beim 575jährigen Gründungsjubiläum der königlich privilegierten Scharfschützengesellschaft war Ehre und Auszeichnung für die Gesellschaft zugleich. Zu diesem Jubiläum fanden ein Eröffnungsschießen, Vorderladerschießen und Jahresabschlußschießen statt. Es wurde auch eine Silbermedaille als Sonderprägung aufgelegt.
1990 war es für die Gesellschaft eine große Ehre, mit über 60 Schützen, Oberfranken beim Oktoberfest Trachten- und Schützenzug, in München zu vertreten. >>>>>
Der 44. Bayerische Schützentag wurde vom 10. bis 12. Juni 1994 von der Schützengesellschaft ausgerichtet. Am Sonntag bewegte sich ein schier endloser Festzug durch die Stadt Lichtenfels zum Schützenplatz. Neben 300 Delegierten und Ehrengästen hatten sich an die hundert Schützenvereine, mit 1500 Teilnehmern, ihren Fahnen und Königen eingereiht. Der Präsident des Deutschen Schützenbundes und Landesschützenmeister Josef Ambacher bedankte sich für die überaus herzliche Aufnahme in Lichtenfels, hier befände man sich in einer Hochburg der Schützen. Auch werde bei der königlich privilegierten Scharfschützengesellschaft noch eine jahrhundertealte Tradition mit einem engagierten Fortschritt in Einklang gebracht. Gauschützenmeister Siegfried Möslein erinnerte in seiner Rede daran, dass man hier an "die Wiege des Schützenwesens" gekommen sei. Herzog Ernst II. von Coburg und Gotha habe vor 133 Jahren, am 11. Juli 1861, durch die Gründung des Deutschen Schützenbundes die Voraussetzungen zum Zusammenschluß aller deutschen Schützen geschaffen. >>>>>
Im Rahmen einer außerordentlichen Generalversammlung im Mai 1996 wurde der Neubau der gesamten Schießanlage beschlossen.
Am 4.Dezember 1998 erfolgte
dann die Grundsteinlegung dieses großen und zukunftsweisenden Projektes.
Auch in diesem Jahr durfte die kgl. privil. Scharfschützengesellschaft
wieder Oberfranken am Oktoberfestzug im München vertreten, ein stolzer
Zug von über 60 Lichtenfelser Schützen reihte sich in die vielen
Trachten- und Schützenvereine ein.
Eine grundlegende Veränderung war 1999
die Teilnahme der Schützendamen am großen Schützenfest-Auszug.
Erstmals in der Geschichte der Gesellschaft traten die Damen als geschlossene
Gruppe in einheitlicher Kleidung auf. In frühlingsfrischem Lindgrün
der karierte Rock, weißer Bluse und schützengrüner Wildlederweste.
>>>>>
Mit vielen Arbeitsstunden entstand im Laufe des Jahres
1999
eine der modernsten Schießanlagen.
Die feierliche Eröffnung der Schießanlage fand
vom 24.März bis 26.März 2000 statt.
Zum feierlichen Festkommers am 24.März
mit kirchlicher Segnung der neuen Schießanlage waren viele Ehrengäste
und befreundete Vereine anwesend.
Am 25.März war ein Mannschafts-Pokalschießen
für alle Vereine angesetzt, hier konnte man wertvolle Zinnpokale gewinnen,
die im Anschluß beim Bayerische Bierabend überreicht wurden.
Der 26.März war ganz einem "Tag der offenen
Tür" gewidmet, wo jeder Besucher unter fachmännischer Anleitung
10 Schuß abgeben konnte und hierfür eine ganz persönliche
Urkunde erhielt.
Am 14.April 2002 findet im Schützenhaus Lichtenfels, die Gauversammlung und das 50jährige Gründungsjubiläum des Schützengaues Nord statt. 1952 wurde der Schützengau Nord hier im Schützenhaus gegründet.
Doch auch das Gesellschaftliche ist nie zu kurz gekommen. Wanderungen, Theaterbesuche, Tanzveranstaltungen, Herrenpartien, Damenausflüge und Fahrten der Jugend demonstrieren das Leben in unserer Gesellschaft.>>>>>
Für uns Schützen soll auch heute noch das Wort Goethes gelten, das 1910 in der Festrede, anläßlich der Hundertjahrfeier der Wiedergründung, Leitmotiv war:
"Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!"
Quellen:
Kulturgeschichte des Deutschen Volkes von Dr. Otto Henne
Band 1, 1892, S.339
Das Lichtenfelser Schützenfest im Jahr 1811 (Jäck),
Staatsarchiv Bamberg
Chronik der kgl.privil.Scharfschützengesellschaft
Lichtenfels 1810-1860 (H.Meyer)
Goldenes Buch der kgl.privil.Scharfschützengesellschaft
Lichtenfels
Geschichte des Coburger Schützenwesens Festschrift
"600 Jahre Coburger Schützenwesen" von 1954 (Dr.W.Heins)
Die Lichtenfelser Schützen im 19. Jahrhundert (G.Robisch)
Jahrbücher der kgl.privil.Scharfschützengesellschaft
Lichtenfels der Jahre 1947-1980 (Stadtarchiv)
Lichtenfelser Tagblatt: verschiedene Ausgaben, Stadtarchiv.
Protokollbuch der kgl.privil.Scharfschützengesellschaft
Lichtenfels 1957-1985
Chronik anläßlich des 175jährigen Jubiläums
der Wiedergründung 1985
eigene Aufzeichnungen von Peter Hoja aus den Jahren 1985
bis 2001