| Von 1840 bis zum Jubiläumsschießen 1910 |
Chronik-Inhalt |
Der Unterhalt des Schießhauses und der Schießanlagen bildete
auch in den folgenden Jahren eine stete Sorge der Gesellschaft. Als 1845
aus Anlaß des Bahnbaues der Coburger Torturm, ein Stück alter
Stadtbefestigung, abgetragen wurde, suchte die Schützengesellschaft
die Gelegenheit zu nützen und bat um Überlassung des Steinmaterials
zur Erweiterung des Schießhauses. Der Magistrat befaßte sich
mit dem Antrag am 11.Februar 1845. Dem Ansuchen konnte jedoch nicht entsprochen
werden, da zu diesem Zeitpunkt noch ungeklärt war, ob die Eisenbahnbaubehörde
das Material nicht selber beanspruche. Die späteren Bemühungen
der Stadt blieben ergebnislos, da die Regierung in Bayreuth am 20.Mai 1845
zu Gunsten der Eisenbahn entschied. Die Bahnbaubehörde beseitigte
den Turm und verfügte auch über das gewonnene Material. >>>>>
Am 10.Juli 1846 bildete die Instandhaltung des Schießhauses erneut
einen Beratungs-punkt im Stadtmagistrat. Die Pflicht der Stadt zur Förderung
des Schützenwesens wurde dabei aus-drücklich anerkannt und der
Schützenkasse zu diesem Zweck ein Betrag in Höhe von 30 Gulden
zur Verfügung gestellt.
Am 3.August 1850 trat die Gesellschaft noch einmal an den Stadtmagistrat
mit der Bitte heran, einen Beitrag zur Schießhausreparatur zu leisten.
Der damals vom Magistrat gefaßte Beschluß läßt wiederum
so recht die Bedeutung des Schützenwesens erkennen. Er besagt: "Da
die Gemeinde immerhin für die Erhaltung des Schießhauses Bedacht
zu nehmen hat, und allerwärts Gemeinde-beiträge zu den Schützenfesten
geleistet werden, so ist zur Reparatur ein Beitrag von zehn Gulden aus
der Gemeindekasse zu leisten!' Das war zwar nicht viel, jedoch ein Beweis
guten Willens.
In den darauffolgenden Jahren scheinen am Schießhaus größere
Instandsetzungsarbeiten ausgeführt worden zu sein. Am 17.August 1855
äußerte nämlich Schützenmeister Schmalz gegen-über
dem Stadtmagistrat die Bitte, die Stadt wolle zu Gunsten der Schützengesellschaft
eine Schuld an Simon Werner in Höhe von 300 Gulden übernehmen.
Der Magistrat erklärte sich vorbehaltlich der Zustimmung des Kollegiums
der Gemeindebevollmächtigten hierzu bereit. Die dienstaufsichtliche
Genehmigung seitens des Landgerichts scheint jedoch hierzu nicht erteilt
worden zu sein. Die Frage wurde vom Stadtmagistrat nicht mehr berührt.
1860 erhielt der Tünchermeister Horn für das Ausweißen
des Schießhauses sechs Gulden. >>>>>
QA
Die zunehmende Blüte des Vereins forderte gebieterisch eine Erweiterung
des Schießhauses. Am 14. und 26.Juni 1863 wurde deshalb beschlossen,
durch Ausgabe von Aktien an die Mitglieder die Finanzierung des Bauvorhabens
für alle Fälle sicherzustellen. Voraussetzung war, daß
die Stadt das zum Bau benötigte Gelände abtrat; Antrag hierzu
erging am 28.November 1863. Der Magistrat erklärte sich auch am 10.
Dezember 1863 bereit. Die notarielle Verbriefung vom 19.August 1864 bestätigt
die schenkungsweise Abgabe von 0,13 Tagwerk Grundfläche durch die
Steuergemeinde Lichtenfels an die Schützengesellschaft.
Gedacht war zunächst an die Errichtung eines zweistöckigen
Gebäudes mit Schieferdach nach den Vorschlägen des damaligen
Oberschützenmeisters Loeser. Die von dem Landbaubeamten Eck erstellten
und noch vorhandenen Entwürfe gelangten jedoch aus finanziellen Gründen
nicht zur Ausführung. Bevorzugt wurden vielmehr die gleichzeitig von
dem Bahnmeister Michael Schlennert, Hochstadt a. Main, vorgelegten Pläne.
Ober die Baugeschichte selber und über die Weihe des neuen Hauses
fertigte 1. Schützenmeister Adam Wenglein am 27.Mai 1865 eine Denkschrift
an, die mit Rücksicht auf ihre vereinsgeschichtliche Bedeutung hier
ungekürzt folgt: >>>>>
Denkschrift über den im Jahre 1864 geführten Schießhaus-Saal-Anbau.
Nachdem seit einer Reihe von Jahren bei den alljährlich abgehaltenen
Freischießen sich die der Schützengesellschaft gehörenden
Lokalitäten (jetzige Schießhalle) als allzuklein erwiesen haben,
so wurde das Bedürfnis laut, die Gebäulichkeiten zu erweitern.
Es wurde daher in der Generalversammlung vom 23.Juni 1863 der Beschluß
gefaßt, daß nach anliegendem Plane, gefertigt von Herrn Bahnmeister
Michael Schlennert von Hochstadt, ein Anbau an dem Schießhaus bestehend
aus Tanzsaal, Spielzimmer, Büfett, Küche und s. v. Abtritten
gebaut und das hierzu nötige Kapital von zirka 3000 Gulden durch Aktien
a. 5 Gulden zahlbar in zehn monatlichen Raten a. 30 Kreuzer beschafft werden
solle.
Ferner wurde beschlossen, daß ein Bauausschuß gewählt
werden solle, welcher die Bauangelegenheit zu besorgen habe und gingen
damals 1. Herr Bürgermeister Joh. Schier als Vorstand desselben, Il.
der erste Schützenmeister Adam Wenglein, der zweite Schützenmeister
Herr Georg Och, der Kassier Herr Georg Mahkorn, Herr Adolf Hammann, Herr
Johann Hofmann und Herr Franz Xaver Krug als Ausschußmitglieder aus
der Wahl hervor. Von dem Ausschuß wurde die Bauleitung Herrn M. Schlennert
speziell übertragen. >>>>>
Dieser Ausschuß begann nun seine Tätigkeit damit, daß
er noch im laufenden Jahre während der Dauer des Freischießens
die Liste zur Aktien-zeichnung eröffnete und seine ihm hier gestellte
Aufgabe vollständig löste. Hierauf ging es zur raten-weisen Einzahlung
der Aktien und hat dieses Geschäft der Verbuchung und Einkassierung
sowie Verrechnung Herr Kassier Georg Mahkorn mit nur anerkennenswertem
Fleiße und größter Pünkt-lichkeit besorgt. Nachdem
die Aktien zur Hälfte des Betrages eingezahlt waren, schritt man zur
Veraccordierung des Baues und hat Herr II. Schützenmeister Georg Och,
Maurermeister von hier, mit 5% Abgebot von der veranschlagten Bausumme
laut anliegendem Bauvertrag den Bau übernommen. Hier ist hervorzuheben,
daß auch Herr Och seine Uneigennützigkeit der Gesellschaft gegenüber
dadurch bewies, indem er erklärte, den Bau, obwohl planmäßig
aus Backsteinmauerung projektiert, durchaus massiv aus Quadern aufführen
zu wollen, ohne eine Preiserhöhung eintreten zu lassen. Inzwischen
hatte sich der Vorstand der Schützengesellschaft A. Wenglein in einem
Bittgesuche an den wohllöblichen Magistrat hier um Überlassung
des betreffenden Bauplatzes gewendet, welchen ihr auch von dieser Seite
mit größter Bereitwilligkeit gratis überlassen wurde.
Nachdem nun diese Vorkehrungen alle getroffen, wurde der Bau Ende März
1864 begonnen und mit wenig Unterbrechung durch schlechte Witterung unter
der umsichtigen und uneigennützigsten Leitung des Herrn M. Schlennert
Ende Juli vollendet. >>>>>
Während des Baues ergaben sich verschiedene Schwierigkeiten bei
Vereinigung des alten und neuen Dachstuhles. Da nun das alte Dach aus Ziegeln
bestand, so beschloß der Bauausschuß das ganze Gebäude
unter ein Dach zu bringen und ganz mit Schiefer zu decken; gleichzeitig
wurde beschlossen, da gerade die Errichtung des Gaswerkes in Angriff genommen
wurde, das Schießhaus mit Gaseinrichtung zu versehen. Durch die Mitüberdachung
des alten Schießhauses, Gaseinrichtung, den Kochherd, Heizbarmachung
sämtlicher Lokalitäten, Orchester und Anschaffung von neuem Mobiliar
ergab sich jedoch ein Mehrbedarf von 2800 Gulden Baukapital, welcher durch
den 1. Schützenmeister A. Wenglein von dem Pfandbriefinstitut der
b. Hypotheken- und Wechselbank in München zu 5 '/o mit 52jähriger
Annuitäten zur ersten Hypothek laut Generalversammlungsbeschluß
vom 12. März 1865 aufgenommen wurde.
Noch eines edlen Guttäters der Schützengesellschaft muß
hier gedacht werden; es ist dies der kgl. Notar Herr Andreas Wilhelm, welcher
alle nötig gewesenen notariellen Geschäfte mit Verzichtleistung
sämtlicher Notariatsgebühren bereitwilligst und umsichtsvollst
beschäftigte. >>>>>
Die Einweihung des Neubaues fand gelegentlich des Freischießens
(19.-26.August 1864) am 19. durch ein veranstaltetes Festessen und solennen
Schützenball unter den Klängen der Bamberger Chevaulegermusik
statt und bewährte sich der Neubau mit seinen Räumlichkeiten
bei damals während des ganzen Freischießens herrschenden schlechten
Witterung ausgezeichnet. Ein zweites sehr schönes Fest, welches in
diesen Räumen abgehalten wurde, war die Eröffnung der Gasbeleuchtung
und diesem folgten noch zwei dem scheidenden Herrn Regierungsrate und Ehrenmitgliede
der Gesellschaft Herrn Eschenbach gegebenen Abschiede, wobei an einem der
beiden Soupees über 100 Couverts serviert wurden. Seither wurden die
Räumlichkeiten öfters von den einzelnen hier bestehenden Gesellschaften
zur Abhaltung von Bällen, Produktionen und dergleichen benützt.
Ein großes Verdienst hat sich auch der hochlöbl. Stadtmagistrat
in der Person des Herrn Bürgermeisters Johann Schier und Herrn Baurats
Ignatz Hetz durch Herstellung des zum Schießhause führenden
Weges erworben. Allen hier genannten Wohltätern und Förderern
der Gesellschaft namens derselben herzlichen Dank.
Einigkeit hat diesen Bau geschaffen, möge stets in seinen Räumen
nur Einigkeit herrschen und die Schützengesellschaft Lichtenfels auch
ferner gedeihen und sich ihres Werkes freuen.
Lichtenfels, den 27. Mai 1865. Wenglein, 1. Schützenmeister."
>>>>>
Die Saalbauaktien wurden insgesamt von 112 Mitgliedern gezeichnet.
An der Spitze standen Maurermeister Och und Apotheker Wenglein von hier
sowie die Spreng'schen Relikten in Nürnberg (Besitzer des hiesigen
Gaswerkes) mit je 50 Aktien. Je 20 Aktien nahmen Jeanette Fischer, Lichtenfels,
und Silbermann, Hausen. Elf Mitglieder zeichneten je zehn Aktien, während
die übrigen Mitglieder zwischen 1-5 Aktien bezogen.
Ausgegeben wurden 600 Aktien. Deren lithographische Herstellung
besorgte Buchdruckereibesitzer und Bürgermeister Schier mit einem
Kostenaufwand von 51 Gulden drei Kreuzer.
Geraume Zeit spielte man damals sogar mit dem Gedanken, das alte
Schießhaus aufzulassen und das neue Haus an die Coburger Straße
in den Raum zu verlegen, den heute die Anwesen 47 und 49 einnehmen. Die
Mehrzahl der Mitglieder entschied sich aber für den alten, durch eine
stolze Tradition geheiligten Platz. Das Richtfest fand am Sonntag, den
12. Juni 1864, in Verbindung mit einem Nachmittagsschießen statt.
Die Weihe des neuerbauten Schießhauses folgte anläßlich
des Freischießens am 21. August 1864. Unter den stimmungsvollen Weisen
der Bamberger Chevauleger-Musik zog ein stattlicher Zug, voran die Turner
mit Fahne, vom Marktplatz zum Schießanger. Reden erklangen, Toaste
wurden gewechselt. Um 13 Uhr sammelten sich die Schützen und Ehrengäste
zum ersten festlichen Mahl im neuen Saale. >>>>>
Obwohl in jenen Tagen nicht das beste Festwetter herrschte, war das
Freischießen von 1864 das seit langer Zeit bestbesuchte. Das Interesse
an dem zweckmäßig gestalteten Neubau lockte Ungezählte
nach Lichtenfels.
Neue Aufgaben harrten aber der Schützengesellschaft. Sie mußte,
wenn sie leistungsfähig bleiben wollte, an die Errichtung eines Weitstandes
denken. Der Stadtmagistrat würdigte in seiner Sitzung vom 28. August
1865 das Vorhaben und stellte die benötigte Grundfläche sowie
das erforderliche Steinmaterial (soweit vorhanden) kostenlos zur Verfügung.
Weiter wurde auch ein Zuschuß von 25 Gulden geleistet. Die Ausgaben
für den Weitstand blieben erträglich. Maurermeister Och erhielt
46 Gulden 19 Kreuzer. Die beiden Zielerhäuschen stellte Zimmermeister
Stenglein um 29 Gulden 36 Kreuzer her. Der Schmiedemeister Johann Schneider
verrechnete sechs Gulden 15 Kreuzer, und der Tagelöhner, welcher die
Steine für die Schießmauer schlichtete, wurde mit zwei Gulden
abgefunden.
Eine weitere Neuerung im gleichen Jahr war der Bau eines hölzernen
Pavillons für die Musik. Durch freiwillige Gaben der Mitglieder wurden
64 Gulden 51 Kreuzer aufgebracht. Zimmermeister Georg Meidel stellte den
Pavillon um 60 Gulden her. >>>>>
In der zweiten Julihälfte 1865 fand das große Deutsche Schützenfest
in Bremen statt.
Die aus dem nordbayerischen Raum kommenden Teilnehmer benützten
die Strecke über Coburg-Eisenach. Die hiesige Schützengesellschaft
empfing die Gäste, die hier am Bahnhof 1 ½ Stunden Aufenthalt
hatten, unter Anführung von Bezirksamtmann Dr. Heim am hiesigen Bahnhof
mit Musik und herzlichen Ansprachen.
Das Kriegsjahr 1866 brachte zunächst zwei interne Geschehnisse.
Die anfangs der 50er Jahre hier gebildete Gesellschaft E i n t r a c h
t hielt sich nicht mehr für lebensfähig und beschloß
ihre Auflösung. Von den 31 Mitgliedern (in der Hauptsache Beamte
und Geistliche) traten 26 einmütig der Schützengesellschaft bei.
Ein Barbetrag von 35 Gulden 55 Kreuzer floß damit der Schützenkasse
zu.
Aber auch die im Jahre 1862 hier ins Leben gerufene Vereinigung der
Zimmerstutzen-schützen suchte die Krise, in die sie geraten war, durch
Anschluß an einen anderen Verein zu lösen.
Erster Schützenmeister Adain Wenglein schreibt darüber am
18. Februar 1866 in den Vereinsakten:
"Seit mehreren Jahren besteht hier eine Gesellschaft dem Namen nach,
nämlich die Zimmerstutzen-gesellschaft. Deren Inventar besteht in
zwei Zimmerstutzen und einer Scheibe nebst einigen Lämp-chen sowie
in einem Kassenbestand von zwei Gulden 31 Kreuzer. - Nachdem nun ein Aktivwerden
dieser Gesellschaft nicht in Aussicht steht, andererseits aber die Gewehre
selbst in Stand zu halten sind, so ist der Wunsch mehrerer Mitglieder,
daß sich diese Gesellschaft löst, und das genannte
langen, Inventar auf die Schützengesellschaft, welcher fast die
meisten Zimmerstutzenvereinler als Mitglieder angehören, übergeht,
die geringe Barschaft dagegen dem soeben aufgetauchten Verschönerungsverein
überwiesen wird." >>>>>
Gleichzeitig machte aber auch Stadtschreiber Mauderer den Vorschlag,
das Inven-tar der Zimmerstutzenschützen dem Turnverein zu überlassen,
da die Schützengesellschaft dasselbe nicht benötige. Die Zimmerstutzenschützen
hatten 24 Mitglieder. Davon stimmten 15 für Auflösung des Vereins,
und zwar acht, also die Mehrheit, zu Gunsten des Turnvereins.
Am 15. Juli gleichen Jahres, nach Ausbruch des Bruderkrieges mit Preußen,
trat 1.Schützenmeister Wenglein für die Bildung eines freiwilligen
Scharfschützenkorps zum Schutze der Heimat ein. Wenglein, ein nationaler
Mann, glaubte dem Vaterland zum Waffendienst verpflichtet zu sein. Da aber
schon wenige Tage später (25. Juli 1866) die ersten preußischen
Truppen in Hof einmarschierten und das Waffenglück sichtlich auf Seite
der preußischen Armee stand, wurde der Gedanke einer Freikorpsbildung
hier nicht weiter verfolgt.
Vom 18. mit 27. Juni und vom 2. mit 23. Juli 1866 war das Schützenhaus
teils von bayerischen Truppen belegt, teils wurde es als Wachtgebäude
und für militärische Schreibstuben beansprucht. Nachdem am 23.
August 1866 in Berlin der Friedensvertrag zwischen Bayern und Preußen
unterzeichnet wurde, konnte auch das Schützenfest mitte September
mit gutem Erfolg noch nachgeholt werden. >>>>>
Eine Ehrung besonderer Art wurde der Gesellschaft aber anfangs Oktober
1867 durch Herzog Maximilian von Bayern, dem Schloßherrn zu Banz,
zuteil. Dieser ließ aus Anlaß der Feier seines Vermählungstages
den Lichtenfelser Schützen einen fein gearbeiteten Silberpokal überreichen,
Letzterer wurde am 7.Oktober 1867 durch den kgl. Bezirksamtann Dr. Heim
den beiden Schützenmeistern Wenglein und Hofmann feierlich ausgehändigt.
Gelegentlich einer Generalversammlung am 13.Oktober 1867 richtete die
Schützengesellschaft folgendes Dankschreiben an den Herzog:
"Eure königliche Hoheit haben allergnädigst geruht, der hiesigen
Schützengesellschaft durch Übersendung eines silbernen Pokals
mit Euerer königlichen Hoheit allerhöchster Huld und Gnade auszuzeichnen.
Dieser Pokal wurde gestern durch den kgl. Bezirksamtmann Herrn Dr. Heim
den untertänigst gellorsamst unterzeichneten Vorständen der Schützengesellschaft
Lichtenfels feierlichst überreicht.
Indem nun die untertänigst gehorsamsten Vorstände der Schützengesellschaft
für allerhöchst bewiesene wohlwollende Auszeichnung Euerer königlichen
Hoheit hiemit Namens der Gesellschaft den tiefinnigsten Dank auszusprechen
wagen, geben sie zugleich die Versicherung, daß dieser Pokal als
ein wertvolles Andenken und Höchstehrendes Zeichen Euerer königlichen
Hoheit allerhöchsten Gewogenheit von der Schützengesellschaft
Lichtenfels in dankbarsten und ehrfurchtvollsten Erinnerung aufbewahrt
werden soll.
In tiefster Ehrfurcht Euerer königlichen Hoheit untertänigst
gehorsamsten Vorstandschaft der Schützengesellschaft Lichtenfels.
>>>>>
Wenglein, 1.Schützenmeister. Hofmann, 2.Schützenmeister."
Das Jahr 1868 brachte eine neue vom König von Bayern am 25.August
gleichen Jahres genehmigte Schützenordnung. Diese wurde in der Generalversammlung
vom 25.Oktober 1868 einstimmig angenommen. Auf Grund erwähnten Beschlusses
übernahm am 18.November gleichen Jahres der damalige Vorstand des
kgl. Bezirksamtes Lichtenfels, Bezirksamtmann Dr. Heim, für die Gesellschaft
die Aufgaben eines Schützenkommissars. Eine Auszeichnung, die die
Schützengesellschaft auf eine besondere Stufe führte und ihr
gleichzeitig das Recht zur Führung des stolzen Titels "Kgl. Privilegierte
Scharfschützengesellschaft“ gab. Die neue Schützenordnung trat
am 1.Januar 1869 in Kraft, während die bis dorthin gültige, mehrfach
abgeänderte Schützenordnung vom 21.Juli 1796 aufgehoben wurde.
Als Kuriosum sei hier auch erwähnt, daß in der im Jahre
1868 neu angelegten Lichtenfelser Concurrenzrolle (Besitzverzeichnis) das
Schießhaus als, letztes Haus in der Stadt mit einer Haus- und Grundsteuerpflicht
von jährlich zwei Gulden 4'/8Kreuzer vorgetragen war. >>>>>
Wann die erste Schützenfahne beschafft wurde, ist aus den vorhandenen
Archivallen nicht zu ersehen. Vermutlich war sie aber schon in den Gründungsjahren
um 1810/11 vorhanden. Da ihr Äußeres sehr bescheiden war, wurde
im Jahre 1869 der Wunsch nach einem neuen Banner laut. Im "Lichtenfelser
Tagblatt" Nr. 146 vom 25. Juni 1869 machten sich mehrere Schützenmitglieder
öffentlich diese Forderung zu eigen. Unter Hinweis auf die Bedeutung
des Freischießens als Volks-fest sagt das Eingesandt weiter:
"wie lustig knallen Büchsen und Böller und nur eines ist,
was zur Sache nicht und immer nicht harmonieren will - die Fahne nämlich.
- Dies bescheidene Blau und Silber gestickte Fähnlein entspricht wahrlich
nicht der Größe der hiesigen Schützengilde sowohl, als
auch den Leistungen, welche von dieser Gesellschaft in letzterer Zeit geschehen
sind und unwillkürlich muß hier sich einem jeden der Wunsch
aufdrängen, daß es Aufgabe der nächsten Zeit sein möge,
diesen Umstand zu beseitigen und an die Beschaffung eines den jetzigen
Verhältnissen der hiesigen Schützengesellschaft entsprechenden
Banners zu denken."
Der Aufruf fiel auf guten Boden. Schon am 14. Juli 1869 wußte
das Tagblatt zu berichten, daß Frauen und Jungfrauen gewillt seien,
durch Sammlung von Beiträgen der Schützengesellschaft die erforderlichen
Mittel zum Erwerb einer Fahne zur Verfügung zu stellen. >>>>>
Knapp vier Wochen später, am 9. August 1869, konnten die Vorstände
bereits über das Gelingen des Vorhabens sich öffentlich verbreiten.
Der lokalpatriotische Geist jener Zeit spricht humorvoll aus der Veröffentlichung
im Tagblatt.
Man atmet geradezu den Stolz der Vorstände über das Gelingen
der guten Sache, wenn auch der Stil des Ausschreibens etwas bombastisch
klang. Wir lesen: "Schützengesellschaft Lichtenfels: Wie vor Kurzem
ein für die gute Sache Enthusias-mirter mit prophetischem Geiste das
Lichtenfelser Freischießen unter dem Donner der Ka-nonen auf das
Festlichste herannahen sah, so scheint es fast diese nemliche Mosesstimme
zu sein, welche die in nächster Zeit stattfindende Fahnenweihe in
so freundlicher Weise kundgibt.
Um diesen anscheinend nicht ganz so Uneingeweihten und den hiesigen
als auswärtigen Schützen und Schützenfreunden Rechnung zu
tragen, kann man deshalb mit Vergnügen das angedeutete Programm als
bestehend bestätigen, bezüglich der Fahnenjungfrauen und Einquartierung
der Schützen aber wird man sich es zur angenehmen Pflicht rechnen,
durch gesonderte Deputationen bei den hiesigen Damen und Quartiergebern
geeignete Bitte zu stellen und wird sich gewiß gleich früher,
sowohl hierfür als für die Häuserdekoration, mindestens
in den angedeuteten Straßen der humane Sinn kundgeben. Die Vorstände."
Am 19. September 1869 trat die ganze Stadt zur Weihe der Schützenfahne
an. Das Festprogramm kündete folgenden Verlauf der Feierlichkeiten
an: >>>>>
I. Samstag, den 18. Sept., Abends 7 Uhr musikalischer Zapfenstreich,
3 Kanonenschüsse, Abends 8 Uhr Konzert im Schießhaussaale.
II. Sonntag, den 19. Sept., Morgens 6 Uhr Tagreveille, 3 Kanonenschüsse.
III. Empfang der ankommenden Gäste durch Comitemitglieder. Morgens
halb 10 Uhr Ver-sammeln der fremden und hiesigen Herren Schützen,
Turner und Feuerwehr in der Hetz-schen Gesellschaftsbrauerei.
IV. Halb 11 Uhr Zug derselben zum Rathause, woselbst die Fahnenjungfrauen
mit verhüllter Festfahne in den Zug eintreten und sofort zum Übergabsplatze
(Herrn Magistratsrats Carl's Staffel) gezogen wird.
V. Übergabe der Fahne und Enthüllung derselben,
Vl. Festzug in folgender Ordnung:
1) eine Abteilung Feuerwehr eröffnet den Zug.
2) Berittene Comitemitglieder.
3) Die Turnerfahne und der hiesige Turnverein.
4) Musikkorps. >>>>>
5) Die Festfahne, geleitet von Fahnenjungfrauen, den beiden Schützenmeistern,
k. und städt. Beamten.
6) Die anwesenden fremden Schützengesellschaften mit ihren Fahnen
nach alphabetischer Ordnung ihrer Städtenamen. jede einzelne Gesellschaft
geleitet ein Comitemitglied und deren Fahne zwei Fahnenjungfrauen. Gesellschaften
ohne Fahne schließen sich einer anderen Schützengilde an.
7) Die hiesigen Schützen mit der alten Schützen- und den
städtischen Fahnen.
8) Eine Abteilung Feuerwehr schließt den Zug.
VII. Musikalische Frühkneipe.
VIII. Mittags 1 Uhr Diner mit Tafelmusik.
IX. Nachm. 3 Uhr Festschießen, Harmoniemusik.
X. Abends halb 9 Uhr Schützenfreiball, wozu nur Schützen
und geladene Gäste Zutritt haben."
Über den Verlauf der Weihe selber geben wir wiederum dem Tagblatt
das Wort. Stolz berichtet der Schreiber im Geiste jener Tage über
den würdigen Verlauf.
"Lichtenfels, 19. Sept. Ungeachtet des nach dem gestrigen schönen
sonnenklaren Tage heute unverhofft eingetretenen unfreundlichen Wetters
war doch die heute in Scene gesetzte Schützenfahnenweihe ein wahrhaft
imposantes und erhebendes Fest, das nicht nur für jeden Beteiligten
eine angenehme Erinnerung sein und bleiben, sondern auch einen unverlöschlichen
Glanzpunkt in den Annalen der Schützengesellschaft bilden wird. >>>>>
Der Beginn des Festes wurde schon gestern Abend durch Kanonendonner
und Zapfenstreich in den Straßen der Stadt signalisiert und mit einem
im Schießhaussaale veranstalteten von dem für die Festesdauer
engagierten Musikkorps des k. 2. Chevauleger Regiments von Bamberg ausgeführten
Konzert eingeleitet.
Kaum hatten wir uns nach lange andauernder fröhlicher und
genußreicher Unterhaltung bei den Klängen dieser trefflichen
Musik Morpheus Armen anvertraut, donnerten uns schon wieder beim ersten
Morgengrauen die Kanonen aus den Träumen und der Tagreveille ermunterte
uns zur Teilnahme am fröhlichen Feste.
Die Bahnzüge führten uns von allen Seiten bewaffnete Schützen
und sonstige Gäste zu, die von den Empfangskomitee begrüßt
und in die Gesellschaftsbrauerei geleitet wurden, von wo aus der Festzug
in folgender Ordnung auf den Marktplatz sich bewegte: Eine Abteilung Feuerwehr,
die berittenen Komiteemitglieder, der Turnverein, das Musikkorps, der Zieler
im Kostüm, hierauf die Schützenvereine mit ihren Fahnen in alphabetischer
Ordnung, wobei vertreten waren die Vereine von Coburg, Culmbach, Kronach,
Schalkau, Sonnefeld, Staffelstein, Marktzeuln.
Den fremden Vereinen folgte die hiesige Schützengesellschaft und
den Zug schloß eine zweite Abteilung der Feuerwehr. Nach der Ankunft
auf dem Marktplatz reihten sich die des Zuges harrenden Festdamen in der
Weise ein, daß die Hauptspenderinnen mit der noch verhüllten
Fahne vorangingen und die übrigen Fahnen je von zwei Jungfrauen begleitet
wurden. >>>>>
Nachdem der Festzug um die an dem Magistratsrat Carl'schen Hause in
geschmackvoller Weise angebrachter Tribüne Caree gebildet hatte, erfolgte
die Enthüllung der wirklich prachtvollen Fahne und die Übergabe
derselben durch Frl. Kaufmann in die Hand des 1. Schützenmeisters,
Herrn Bürgermeister Hofmann, mittelst einer trefflichen in Versen
gesetzten Anrede, von welcher wir wegen Mangels an Raum nur den Schlußvers
hier wiedergeben können. Derselbe lautet:
Insgesamt leisteten 57 Mann der Aufforderung Folge. Der Normalsatz,
welcher gegeben wurde, betrug 30 Kreuzer, der Mindestbetrag neun Kreuzer.
Ein Mitglied, Martin Krauß, stand mit 48 Kreuzern an der Spitze.
>>>>>
An der Weihe selber nahmen 23 Ehrenjungfrauen teil. Der Turnverein
war 50 Mann stark, die Feuerwehr mit 25 Mann zur Stelle. Der Kaufmann Gottfried
Gagel trug die alte Schützenfahne im Festzug mit.
Den abschließenden Bericht zur Fahnenweihe schrieb der Vereinssekretär,
der Rentamtsoberschreiber Nikolaus Schmidt. Sein Eintrag lautet:
"Anschaffung einer neuen Fahne.
Der Unterfertigte rechnet es sich zu besonderer Pflicht zu diesem Akt
für spätere Zeiten zu constatieren, daß die Idee zur Schaffung
einer Fahne für die Schützengesellschaft, welche seinen Ursprung
durch Herrn Apotheker Wenglein fand, nur eine glückliche genannt werden
kann.
Dieselbe wurde auch von Allen, bis auf Wenige, mit Freuden begrüßt
und fand deshalb der Wunsch in so reichhaltigem Maße sofort durch
die zahlreichen Spenden Ausdruck, wofür besonders unseren Frauen Dank
gebührt, wo die Arbeit zur Fahne in Angriff genommen, als man sich
beeilte mit Gaben von Bändern zu wetteifern und befanden sich an der
Fahne sofort bei der Übergabe schon drei derselben, wenn das Dritte
in blau und weiß bei der Weihe selbst noch nicht fertig war, so sind
die Mittel hierfür doch in den Händen des Herrn Restaurateurs
Bergner gelegt. Das Fahnenfest selber ging in bestem Humor und zur Zufriedenheit
sämtlicher Gäste in einem wahren Wetteifer von Lust und Liebe
von sich, nah und fern reichten sich brüderlich die Hände, so
daß sich auch nicht die geringste Störung ergab, besonders ist
der unüberwindliche freudig aufgeregte Gesellschaftsgeist der Schalkauer
Gäste erwähnenswert, welchem sich dann unsere werten Gäste
von Coburg, Kulmbach, Kronach, Sonnefeld, Staffelstein und Zeuln würdig
anschlossen. >>>>>
Wie das Fest, so der Ball und so der Schluß, es werden Jahre
vergehen und gewiß jeder, der vom gesellschaftlichen Interesse einen
Begriff hat, wird mit Dank auf dieses gelungene Fest zurückblicken,
und dem Dank wissen, der es arrangierte und leitete.
N. Schmidt, z. Zt. der Fahnenweihe Sekretär."
So waren die Jahre von 1860-1869 für die Schützengesellschaft
recht erfolgreich. Der Verein konnte sich unter bewährten Schützenmeistern
einen guten Platz im Leben der Stadt erringen und diesen auch behaupten.
Der deutsch-französische Krieg 1870/71 brachte wesentliche Behinderungen
im Vereinsleben.
Nicht nur das herkömmliche Schützenfest mußte 1870
unterbleiben, auch das Schießhaus selber diente vom 18. September
1870 bis 31. März 1871 als Vereinslazarett. Der Lichtenfelser Zweigverein
zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger, unter Vorsitz von
Bezirksamtmann Dr. Heim, richtete ab 13. September 1870 unter freiwilliger
Mithilfe der Einwohnerschaft im Schießhaussaal ein Lazarett ein,
Bettlaken, Bettstücke und ganze Betten wurden zu diesem Zweck selbstlos
zur Verfügung gestellt. Die erste Belegung mit Verwundeten erfolgte
am 18. September. Zwei Tage später war dasselbe mit 25 Soldaten bereits
vollständig besetzt.
>>>>>
Die außerordentlichen Ausgaben, die dadurch auch der Schützengesellschaft
erwuchsen, mußten durch Einhebung einer Sonderabgabe in Höhe
eines Guldens je Mitglied gedeckt werden. Da der Erlös von 163 Gulden
nicht restlos ausreichte, wurde am 12. Februar 1871 die Nacherhebung weiterer
30 Kreuzer beschlossen. Infolge Ausfall des Freischießens war es
1870 auch nicht möglich, die jährlich festgesetzten 20 Saalbau-Aktien
einzulösen. Ebenso unterblieben die üblichen Neuwahlen.
Am Sonntag, den 7. Mai 1871, fand unter Leitung des Postassistenten
Wappenschmitt im Schießhaussaal ein großes Konzert zum Besten
des Hilfsvereins zur Pflege verwundeter und erkrankter Krieger statt. Unter
Mitwirkung guter Kräfte aus Coburg und Nürnberg wurde diese Veranstaltung
zu einem hervorragenden künstlerischen Ereignis. Ende Juni 1871 wurde
aus der Bevölkerung heraus der Wunsch laut, das bevorstehende Freischießen
als Siegesfest, den heimkehrenden Kriegern zu Ehren, durchzuführen.
Am 16.Juli 1871 wandten sich Bürgermeister Wenglein und Nikolaus Schmidt,
letzterer als Vorstand des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten,
mit einem Aufruf an die Bevölkerung dem Friedensfest am 23.Juli, das
zugleich den Auftakt zum Schützenfest bildete, durch zahlreiche Teilnahme
und festlichen Schmuck der Gebäude die rechte Würde zu geben.
Lichtenfels erlebte einen großen Tag. >>>>>
Das Schützenbanner wurde mit einem neuen Fahnenband geziert, gestiftet
von der Lichtenfelser Jugend. Festreden folgten einander, Telegramme flogen
an Kaiser und Könige in die Welt hinaus und begeisterte Toaste ertönten.
Endloser Jubel begleitete den Festzug. Das Treiben auf der Wiese zu schildern
- schrieb damals der Tagblatt-Berichterstatter - sei rein unmöglich,
man könne nur konstatieren, daß dieser Anlaß den Charakter
eines Volksfestes im vollsten Sinne des Wortes angenommen hat. Am 18.August
1871 händigte die Vorstandschaft vom Zweigverein des Roten Kreuzes
der Schützengesellschaft als Zeichen der Dankbarkeit für die
Überlassung des Schießhaussaales zu Lazarettzwecken den Betrag
von 60 Gulden aus. Diese Summe wurde zur Innenrenovierung verwendet, nachdem
der Saal, welcher kostenlos zur Verfügung gestellt worden war, durch
die Belegung erheblich gelitten hatte. Bezirksamtmann Dr. Heim, der Vorstand
des Zweigvereins, schrieb wörtlich, er benütze gerne die Gelegenheit,
um unter lebhafter Anerkennung des von der Schützengesellschaft gebrachten
Opfers den wärmsten Dank für die freundliche und hilfsbereite
Überlassung des Schießhaussaales auszusprechen. Obwohl der Betrag
zur Instandsetzung des Schießhauses bei weitem nicht ausreichte,
konnte die Schützengesellschaft doch wieder mit festem Boden unter
den Füßen in die folgenden Friedensjahre gehen. Der Schuldenstand
von 5055 Gulden wurde durch ein Sach- und Barvermögen in Höhe
von 8965 Gulden 42'/4Kreuzer mehr als aufgewogen. >>>>>
Das Jahr 1872 brachte im Rahmen des Schützenfestes eine erfreuliche
volkstümliche Einführung, ohne welche man sich das Freischießen
heute kaum mehr zu denken vermag, nämlich das Kinderfest. Ein ungenannter
Wohltäter spendete zu diesem Zweck der Stadt den Betrag von 25 Gulden.
Der Magistrat wurde mit der Vorbereitung betraut. Mit der erstmaligen Durchführung
des Kinderfestes wurde zugleich die Setzung eines Kriegsgedenksteines an
der Friedenslinde in den Burgberganlagen verbunden.
Das Tagblatt berichtete damals ausführlich über den Verlauf
-. "Heute, am 24. Juli 1872, versammelte sich die städtische Jugend
am Rathause und bewegte sich zum erstenmale vom herrlichsten Wetter begünstigt
in schön geordnetem Zuge zu ihrem neu gestifteten Kinderfeste, welches
die Erinnerung an die großen Ereignisse der Vorjahre in den Kinderherzen
wach erhalten soll. Unter den Klängen der vorzüglichen Musik
des 7. Inf.-Reg. bewegte sich der Zug in folgender Ordnung vom Rathause
aus durch das obere Tor zur Friedenslinde- Ein Zug Knaben mit Fahnen und
blau~weißen Schärpen, die Musik, die städtischen Fahnen,
der Gedenkstein auf einem schön und reichgezierten Wagen von Knaben
gezogen und rechts und links von Mädchen in weißen Kleidern
und blauen Schärpen Guirlanden und Kränze tragend, begleitet,
hierauf kgl. und städtische Beamte, dann die gesamte männliche
und weibliche Schuljugend über 400 Köpfe zählend, - ein
stattlicher, sich imposant ausnehmender Zug. >>>>>
An der Friedenslinde angekommen, wurde vor derselben Halt gemacht,
von Herrn Bürgermeister der Zweck des Festes in einer sehr gediegenen
Ansprache erörtert, die Jugend zur Vaterlandsliebe angeeifert und
mit einem Hoch auf Se. Maj. König Ludwig Il. als den, der den ersten
Stein zum ganzen großen Werke gelegt hat, geschlossen. Hierauf folgte
unter fortwährendem Kanonendonner die Setzung des Gedenksteines und
Absingen des Liedes "Deutschland, Deutschland über alles". Sodann
begab sich der Zug die Anlage hinunter durch die Stadt, deren Häuser
zum großen Teil mit Fahnen und Bäumen geziert waren, zum Schießplatze,
wo ein reges fröhliches Kinderleben sich entfaltete, die liebe Jugend
und mit ihr auch das Alter sich erfreute. Bratwurstspende, Spiele, Besichtigung
der Buden, Caroussel, Kasperltheater x. Alles mußte der Lust und
Freude dienen, überall sah man lachende rosige Kindergesichter, überall
jungen frohen Mut. - Möge dies gelungene von Alt und jung so freudig
begrüßte Fest recht oft wiederkehren, möge aber das Gelingen
dieses für die Jugend so schönen und aneifernden Festes zugleich
der Dank denen sein, die dasselbe ins Leben gerufen haben!"
Die Erwartung, das Fest möge recht oft wiederkehren, hat sich
erfüllt. Der "Tag der Kinder" hat seitdem im Rahmen der Festwoche
eine eigene Aufgabe, er bildet nicht nur einen der Höhe punkte der
vielseitigen Veranstaltungen, ihm ist nicht zuletzt der gute Ruf und die
Volksverbundenheit des Gesamtfestes mit zu danken. >>>>>
Ende Mai 1874 führte Maurermeister Michael Och Bauarbeiten an
dem 1865 erstellten Weitstand aus. Die Steine gab wiederum die Kommunalverwaltung
kostenlos aus Stadtmauerresten.
Schon seit 1865 hatte Zimmermeister Georg Meidel alljährlich zum
Freischießen den Musikpavillon am Anger kostenlos aufgestellt, und
nach Schluß des Schießens auch wieder unentgeltlich eingelegt.
Balken und Bretter wurden das Jahr über jeweils im Kastenboden verwahrt.
Laut Beschluß vom 27.Mai 1874 erhielt Meidel für diese Arbeit
nunmehr erstmals einen Zuschuß von drei Gulden.
Bezirksamtmann Zeller, der im öffentlichen Leben für Lichtenfels
tonangebend war, trug sich mit der Absicht der Bildung einer geschlossenen
Gesellschaft. Letztere wollte er mit der Scharfschützengesellschaft
verbinden, wobei zugleich das Schießhaus über seinen eigentlichen
Zweck hinaus als gemeinsames Vereinshaus verwendet werden sollte.
Am 14.Dezember 1874 erklärte sich die Vorstandschaft an sich mit
dem Vorschlag und mit einer Neuorganisation der Gesellschaft einverstanden.
Die Aufnahmegebühr sollte dabei auf 4 Mark, der Jahresbeitrag auf
12 Mark erhöht werden. Gleichzeitig wollte man die regelmäßige
Veranstaltung von Konzerten in Aussicht stellen. >>>>>
Zu einer baulichen Erweiterung des Schießhauses, wie Zeller sie
vorschlug, konnte man sich aber doch nicht entschließen. Dieser Schritt
sollte erst im Bedarfsfall in Erwägung gezogen werden. Das Vorhaben
schlief, nicht zum Schaden der Schützengesellschaft, wieder ein, noch
bevor es praktische Gestalt angenommen hatte. Bei der Generalversammlung
am 30.Mai 1875 folgte die Anpassung der Mitgliedsbeiträge an das neueingeführte
Münzsystem. Die Aufnahmegebühr wurde von zwei Gulden 30 Kreuzer
auf fünf Mark und der Jahresbeitrag von zwei Gulden gleichfalls auf
fünf Mark festgesetzt.
In den Monaten Januar und Februar 1876 war der Anger durch Hochwasser
mehrmals überschwemmt. Die Feuerwehr verlegte aus diesem Grund ihren
Ball im Schützenhaus, und der Schützenball mußte sogar
zweimal aufgehoben sowie schließlich bis 26.2. verschoben werden,
da die Fluten nurzögernd sich verliefen. >>>>>
Die längst geplante Umgestaltung der Aborte, die Einichtung eines
Speise- und Damenzimmers sowie die Verlegung der Küche wurde in der
Generalversammlung vom 30.April 1876 endgültig beschlossen.
Den zur Erweiterung des Schießhauses benötigten Platz (37,80
qm) gab der Stadtmagistrat mit sechs gegen zwei Stimmen kostenlos an die
Schützengesellschaft ab. Das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten
hob aus formellen Gründen diesen Beschluß jedoch wieder auf.
Der Platz wurde schließlich um den Betrag von 20 Mark käuflich
erworben. Die Bauausgaben beliefen sich insgesamt auf 2.162,76 Mark.
Den Maurern und Zimmerleuten wurde als Hebtrunk ein halber Eimer Bier
gewährt. 1878 verlängerte Baumeister Michael Och die Schießmauer
auf beiden Seiten, während Zimmermeister Meidel vier neue Blenden
errichtete. Auch wurde eine Kehrscheibe eingerichtet. Letztere lieferte
Wagnermeister Thum um 253,90 Mark.
Als Erinnerungsgabe für das Schießhaus fertigte 1879 die
Handels-Druckerei Bamberg in Farben- und Bronzedruck ein Mitgliederverzeichnis
zum Preis von 25 Mark an.
Beim Deutschen Bundesschießen in München, im Juli 1881,
konnten zwei prominente Mitglieder der Gesellschaft, die Korbfabrikanten
Georg und Thomas Krauß, je einen Ehrenbecher erringen. Das Ergebnis
wurde telegrafisch hierher übermittelt und in der Presse freudig begrüßt.
>>>>>
Im September 1881 erhielt der Schießhaussaal mit einem Aufwand
von 1.034,78 Mark einen neuen Fußboden. Als anfangs Oktober gleichen
Jahres in Kronach der bekannte Schützenmeister Pfretschner beerdigt
wurde, erfolgte, um sowohl die Jahrhunderte alte Verbundenheit mit dem
Kronacher Nachbarverein, wie die Wertschätzung des Verstorbenen zu
bekunden, die Abstellung einer vierköpfigen Abordnung (Nikolaus Schmidt,
Georg Krauß, Fritz Michael Wicklein und Ludwig Hager).
Als Kuriosum mag es vielleicht bezeichnet werden, daß beim Freischießen
1882 der Zielerstand unter Wasser lag und erst ausgepumpt werden mußte,
um ihn benützen zu können. Ein Sommer-Hochwasser war die Ursache.
Vor ernste Probleme stellte das Jahr 1883 die Gesellschaft. Mängel
am Dach und im Dachstuhl machten sich bemerkbar. Das einige Jahre vorher
eingeführte Dachpappendach bewährte sich nicht. Durch eindringendes
Regenwasser ergaben sich schlimme Schäden. Im Saal und Vorsaal mußte
die Lattendecke abgenommen werden. Weiter erwies sich der Einzug zweier
neuer Sprengwerke zum Tragen des Deckengebälkes, wie auch zum Aufhängen
der Balken der Saaldecke als notwendig. Distriktsbautechniker Graebner,
der die Planskizzen und Kostenvoranschläge fertigte, übernahm
auch die Leitung der Bauarbeiten. Die Baukosten verschlangen insgesamt
4.007,24 Mark. Das Hauptgebäude wurde nunmehr mit Schiefer gedeckt,
der neue Anbau (Damen-Aborte) dagegen mit Eisenblech. Ein eigener neunköpfiger
Bauausschuß förderte die Ausführung der Arbeiten. >>>>>
Die Zimmermannstätigkeit übernahm K. Meidel, die Tüncherarbeiten
Andreas Dechant. Die Flaschnerarbeiten führte Johann Staudinger aus,
und die Dachdeckerarbeiten Lorenz Schrenker aus Mistelfeld. Den Schiefer
lieferte der Bruch Karl Oertel in Lehesten. Die Schmiedearbeiten oblagen
dem Meister Heinrich Fischer.
Die vier Treppenstufen aus Granit, je 1,78 in lang, stellte der Steinmetzmeister
Jos. Lenz in Gefrees zur Verfügung. Mit Rücksicht auf die umfangreichen
Arbeiten, welche erst im Mai aufgenommen werden konnten, wurde der Freischießensbeginn
auf den 26.August verschoben. Die Bauaufgaben konnten glücklich und
rechtzeitig abgeschlossen werden. Das erneuerte Schützenhaus fand
allgemein Beifall. Die Kostendeckung erfolgte durch Ausgabe von 400 Anteilscheinen
zu je zehn Mark, deren Tilgung ab 1884 in drei Jahresraten durchgeführt
wurde.
Vom 13. mit 17.Juli 1884 feierte die Schützengesellschaft ihr
fünfzigjähriges Jubiläum.
Man ging dabei von der allerdings unzutreffenden Auffassung aus, als
Gründungsjahr der Gesellschaft 1834 anzunehmen. Ein Standpunkt, welcher
später mit Recht wieder fallen gelassen wurde, da die Pflege des Schießsportes
und die Obsorge für das Schießhaus auch in den Ruhejahren von
1817-1834 nie untergegangen ist. über das Fest berichtete das Tagblatt
seinerzeit verhältnismäßig knapp:
"Die hiesige Schützengesellschaft beging zum Beginn des diesjährigen
Freischießens die Feier ihres 50jährigen Bestehens. Um ½
11 Uhr fand der herkömmliche Schützenauszug' statt, dem sich
sämtliche hiesigen Vereine mit Fahnen anschlossen, in Folge dessen
sich unter Vorantritt der Festmusik ein ganz stattlicher Zug vom Rathaus
zum Festplatz bewegte. >>>>>
Um 12 Uhr begann sodann das ,Festdiner' im Schießhaussaale. Während
desselben brachte zuerst der k. Schützenkommissär, Herr Bezirksamtmann
Berg, ein Hoch auf Se. Maj. König Ludwig IL aus, dann folgte die eigentliche
Festrede des Herrn Bürgermeisters Wenglein, welcher in ausgezeichneter
Weise einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung der Schützengesellschaft
gab. Diese könnte zwar ein viel höheres Jubiläum feiern,
da sie schon 1810 gegründet worden sei und bis 1817 bestanden habe,
Kriegs- und Teuerungsjahre hinderten aber die Fortentwicklung, bis erst
im Jahre 1834 auf Anregung des damals in Banz residierenden Herzogs Wilhelm
von Bayern, von welchem heute noch eine goldene Medaille vorhanden, die
Schützengesellschaft neu organisiert und das Schießhaus, der
heute noch bestehende Vorsaal, gebaut wurde. Während dieser 50 Jahre
sei das Freischeßen nur ein einziges Mal, als das Schießhaus
1870 als Lazarett' eingerichtet war, ausgesetzt worden. Im Jahre 1864 habe
eine Anzahl Mitglieder veranlaßt, daß das Schießhaus
in seiner jetzigen Ausdehnung erweitert wurde und im Jahre 1869, am 19.September,
wurde die von Frauen und Jungfrauen gestiftete Schützenfahne festlich
eingeweiht. >>>>>
Nach diesem Rückblicke brachte Redner dem ältesten Mitgliede,
Herrn Fabrikbesitzer Gallus Silbermann in Hausen, ein Hodi dar. (Letzterer
hat zur Festfeier eine schön gemalte Ehrenscheibe übergeben.)
Unter zahlreichen weiteren Toasten und Vorträgen der Tafelmusik nahm
das Festessen und -Trinken den lebhaftesten Verlauf, ebenso aber auch der
ganze Festtag! Bei herrlichstem Wetter entwickelte sich Nachmittags und
Abends ein Volksfest' im wahren Sinne des Wortes auf dem so schönen
Festplatze und konnte selbst das Abendkonzert im Freien abgehalten werden,
was seit vielen Jahren nicht mehr der Fall war. (Dabei kann die Noblesse
der Schützengesellschaft, welche alle Kosten unter sich aufbringt
und Jedermann unentgeltlich an ihren Vergnügungen teilnehmen läßt,
nicht genug hervorgehoben werden.) Den glücklichsten Griff aber hat
die Schützengesellschaft heuer mit der Festmusik getan; das vollständige
Musikkorps des k. 5. Inf.Reg. in Bamberg unter der bewährten Leitung
ihres Kapellmeisters Burow bildet gewiß den Hauptanziehungspunkt
des Festes und bietet uns die köstlichsten musikalischen Genüsse."
Die folgenden Jahre waren etwas ruhiger und brachten auch wirtschaftlich
keine wesentlichen Aufwendungen. 1886 lieferte lediglich Gottfried Häfner
für den Vorsaal zwei neue Kachelöfen um 156 Mark. >>>>>
Im Jahre 1888 tauchte erneut der Plan auf, das Schießhaus unmittelbar
an die Coburger Straße zu verlegen. Befürwortet wurde dieses
Vorhaben besonders von Schützenmeister Wenglein. Da der Stadtmagistrat
den Verkauf des an diese Straße stoßenden Angerteiles für
Bauzwecke beschlossen hatte, bat Schützenmeister Wenglein in einer
außerordentlichen Generalversammlung am 27.Januar 1888 um die Zustimmung
zum Erwerb des fraglichen Geländes. In einer lebhaften Aussprache
lehnte der Vorstand des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten Nikolaus
Schmidt das Vorhaben ab. Schmidt verneinte jedwedes Bedürfnis einer
Erweiterung des "räumlich völlig ausreichenden Schießhauses".
Zudem brauche man keinen neuen und größeren Saal, da Gastwirt
Zahner erst den Kronensaal geschaffen habe. Am allerwenigsten bestehe aber
außerhalb der Stadt auf dem Anger das Bedürfnis für einen
Saal. Das Schützenhaus gehöre in die Mitte des Festplatzes, da
andernfalls das Freischießen seinen Charakter als Volksfest verliere.
Schützenmeister Wenglein hielu seinen Antrag zur Meidung späterer
Vorwürfe aufrecht. >>>>>
In der Abstimmung waren 17 Mitglieder für den Erwerb des Platzes,
sieben dagegen. Wenglein wurde ermächtigt, als Mitsteigerer bis zur
Höhe von 900 Mark aufzutreten. Sieben Wochen später, am 14.März
1888, wurde aber auf den Ankauf freiwillig verzichtet, da die Vielzahl
der vorhandenen Bauinteressenten bei einer Versteigerung von vorneherein
zu einer erheblichen Verteuerung des Geländes führen mußte.
Dafür aber baute die Stadt noch im gleichen Jahr die Wegstrecke von
der Coburger Straße bis zum Schießhaus mit einem Aufwand von
900 Mark aus. Der Grund zu vielen Klagen konnte damit beseitigt werden..
Das Jahr 1889 brachte die Erweiterung der Schießstände von
100 auf 175 Meter sowie den Bau eines neuen Kugelfanges. Der Stadtmagistrat
erteilte am 23. Mai 1889 die Zustimmung. Da. der Fuhrunternehmer Wendler
aber bis 1891 den ganzen Schießanger für einen Jahressatz von
355 Mark gepachtet hatte, wurde zunächst eine befriedigende Lösung
mit diesem herbeigeführt. Er erhielt für 1889 insgesamt 70 Mark
und für die beiden folgenden Jahre je eine Entschädigung von
30 Mark ausbezahlt. Nach Ablauf dieser Frist hatte die Schützengesellschaft
in das Pachtverhältnis einzutreten bzw. für einen Jahrespacht
von 355 Mark zu garantieren. Die Bauarbeiten wurden noch vor dem Freischießen
durchgeführt. Gleichzeitig wurde das sogenannte Spielzimmer in eine
altdeutsche Stube umgewandelt. Am Dienstag, den 16.Juli 1889, feierte man
im Rahmen des Freischießens zugleich die 25jährige Wiederkehr
der Schießhauserweiterung.
Erster Schützenmeister Georg Krauss würdigte in seiner Festrede
besonders die Verdienste des Bürgermeisters Adam Wenglein, der durch
seine Entschlußfreudigkeit und persönlichen Einsatz 1864 nicht
nur "die dem Versumpfen nahe Schützengesellschaft mit allen Kräften
und unter Hintansetzung seiner persönlichen Interessen zu neuem Leben
erweckte", sondern auch allen Widerständen zum Trotz den Erweiterungsbau
glücklich vollendete. >>>>>
Auch Bahnmeister Schlennert, der Plangestalter und Bauleiter von 1864,
war der Mittelpunkt herzlicher Ehrung. Die Verlängerung des Scheiben-
und Schießstandes erforderte einen Aufwand von 1.079,46 Mark. Die
Maurerarbeiten lagen wieder in Händen des Baumeisters Och, während
die sechs neuen Blenden von Baumeister Stenglein und Zimmermeister Meidel
erstellt wurden. Durch freiwillige Sammlung konnten hierzu 380 Mark aufgebracht
werden.
Bei dem großen Hochwasser am 24. und 25. November 1890, das den
ganzen Anger zu einem See verwandelte, wurde auch der Zielerstand völlig
unter Wasser gesetzt und stark verschlammt.
Aus Anlaß des 70. Geburtstages des Prinzregenten Luitpold von
Bayern, am 12. März 1891, ordnete die Schützengesellschaft drei
Herren zu den Festlichkeiten in München ab. Es waren dies die Schützenmeister
Georg Krauss und Stephan Wenglein sowie Kaufmann Baptist Dinkel.
Im Cholerajahr 1892 drohte die Sorge der Verwendung des Schießhauses
als Isolierlazarett. Das Bezirksamt forderte die Errichtung von Baracken
auf dem Anger, der Stadtmagistrat lehnte dies unter Hinweis auf die Möglichkeit
der Heranziehung des Schießhauses ab. Auch das Oberbahnamt Bamberg
wollte notfalls seuchenverdächtige Reisende in das Schießhaus
einweisen. Da die Epidemie aber in Hamburg abgefangen werden konnte, und
ein im nahen Unterwallenstadt damals aufgetretener Fall von Choleraverdacht
eines Brauburschen sich schließlich als kapitaler Katzenjammer entwickelte,
ging die Gefahr glücklich am Schießhaus vorüber. >>>>>
1893 erhielt der Schießhaussaal einen neuen Riemenboden durch
die Firma Grenz und Sohn in Bamberg. Dieser verschlang einschließlich
der Betonierung des Saalgrundes durch Baumeister Och 2.285,76 Mark.
Beim Schützenfest 1893 gelangte der vom hiesigen Chorrektor Lutz
(später Gymnasialprofessor in Bamberg) komponierte "Lichtenfelser
Schützenmarsch" unter Zugrundelegung der Melodie jm Wald und auf der
Heide" erstmals zur Aufführung. Nach damaligen Pressestimmen wurde
das Musikstück als fein angelegter und trefflich durchgeführter
Marsch gewürdigt. Das Stück erhielt stärksten Beifall. Leider
hat sich der Marsch im Schützenarchiv nicht erhalten, er dürfte
längst verschollen sein.
Auf behördliche Anordnung hin mußte 1895 die Schutzmauer
am Schießstand um etwa 1,50 Meter erhöht werden. Gleichzeitig
wurde in diesem Jahr ein befriedigendes Pachtverhältnis mit der Stadt
gefunden. Die Schützengesellschaft entrichtete nunmehr an die Stadtkasse
für den Weitstand lediglich eine Entschädigung von jährlich
25 Mark, während die Garantieverpflichtung für den Pacht der
Schießangerwiese aufgehoben wurde. >>>>>
Schwester Maria Elkana vom Orden der Armen Schulschwestern in Lichtenfels,
eine geschickte Handarbeitslehrerin, behob im September 1896 verschiedene
Schäden an der Schützenfahne, die im Laufe der Jahrzehnte entstanden
waren. Im selben Jahr konnte auch in Trieb unter der Hand ein sehr guterhaltenes
Pianoforte (aus der Stuttgarter Fabrik Kannhäußer) um 150 Mark
erworben werden.
Im Jahre 1897 wurde das Schießhaus an den Fernsprechverkehr angeschlossen,
ferner die Beleuchtung des Festplatzes mit Gasglühlicht durchgeführt.
Zur Erhaltung des Baumbestandes erhielt die Schützengesellschaft
am 7.Juli 1898 vom Stadtrat widerruflich die Erlaubnis, auf dem Schützenanger
Bäume anzupflanzen und zu unterhalten, wobei die Bäume als Eigentum
der Gesellschaft anerkannt wurden.
Das Jahr 1899 brachte für die Schützengemeinschaft einen
Zwischenfall, der rückschauend wohl zu einem Schmunzeln veranlaßt.
Der spätere Geh. Kommerzienrat und Ehrenschützenmeister Georg
Krauss, ein Weltmann von Format, forderte zu den Tanzunterhaltungen, vor
allem für den Damenkranz, die Heranziehung eines Tanzlehrers, um die
Einhaltung der Tanzordnung und der schicklichen Formen zu gewährleisten.
Damit war aber in der Versammlung am 17.März 1899 der schlicht bürgerliche
Teil der Schützen nicht einverstanden. Krauss, der an sich an der
Reihe zum 1. Schützenmeister war, zog die Schlußfolgerungen
und erklärte seinen Austritt. Erst zwei Monate später, am 15.Mai
1899, gelang unter dem Vorsitz des Schützenkommissars Edler von Braun
die Glättung des Risses. Nach einer einmütigen Vertrauenskundgebung
kehrte Georg Krauss, das geistige Haupt der Lichtenfelser Schützengemeinschaft,
in sein Amt als 1. Schützenmeister zurück. Auf den Tanzlehrer
wurde verzichtet. >>>>>
Aus Anlaß der Einführung des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches
im Jahre 1900 stand auch wieder die rechtliche Stellung der Schützengesellsdiaft
zur Erörterung. Landesschützenmeister H. von Dall'Armi, München,
teilte auf Grund seiner Unterrichtung im Justizministerium am 7. März
1900 hierher mit, die allgemeine Schützenordnung für das Königreidl
Bayern vom 25.August 1868 bleibe nach wie vor wirksam. >>>>>
Nach § 2 Abs. II dieser Schützenordnung besitze auch die
Lichtenfelser Gesellschaft die kraft Gesetz erworbenen Rechte einer Corporation.
Der Ehrentitel "Kgl. Priv. Scharfschützengesellsdiaft" konnte
nun mit gutem Recht geführt werden. Ab 1904 tritt die Bezeichnung
auch offiziell in den Gesellschaftsakten und im Schützensiegel in
Erscheinung.
Im Vordergrund des Interesses stand 1901 die Frage einer Erweiterung
des Schießhauses. In einer Versammlung am 30.Dezember 1901, zu der
auch die Vorstände der größeren Lichtenfelser Vereine geladen
waren, bestand Einmütigkeit für eine Saalvergrößerung.
Alle anwesenden Vereinsvertreter erklärten sich mit einem Umbau des
Schießhauses nach den Plänen des Distriktsbautechnikers Graebner
einverstanden. Die Benützung des neuen Saales durch die fraglichen
Vereine wurde zugleich zugesagt.
1902 wurde erstmals ein Industrie- und Preisschießen durchgeführt.
An diesem nahmen 24 Schützen mit einer Einlage von je drei Mark teil.
>>>>>
Aus der Schießkasse wurde hierzu eine Sonderzuwendung in Höhe
von 45 Mark gemacht. Weiter spendete in diesem Jahr die Schützengesellschaft
zum Bau des Aussichtsturmes auf dem Herberg dem hiesigen Verschönerungsverein
den Betrag von 100 Mark.
Die Generalversammlung vom 28.April 1902 befaßte sich nochmals
eingehend mit dem Saalbau-Vorhaben. Distriktsbautechniker Graebner wurde
mit der Erstellung der Pläne und Kostenvoranschläge betraut.
Voraussetzung für die Inangriffnahme der Arbeiten war die ausreichende
Zeichnung der Bausumme seitens der Mitglieder durch Anteilscheine. Dem
Reservefonds für den beabsichtigten Neubau wurde der Betrag von 1.000
Mark zugeführt; 1903 folgten weitere 500 Mark für diesen Fonds.
Am 6.Februar 1903 faßte der Stadtmagistrat den Beschluß,
am Schießplatz eine Reihe Eschen- und Akazienbäume anzupflanzen.
Ferner wurde am 9.April von dem gleichen Gremium der Schützengesellschaft
gestattet, den Schießplatz mit einem Stangenzaun abzuschließen,
allerdings zunächst noch mit dem Vorbehalt, daß außerhalb
der Schießzeit den hiesigen Einwohnern das Wäschebleichen und
Trocknen nicht verwehrt werden dürfe. Die Kosten für den Zaun,
ausgeführt von Zimmermeister Meidel, beliefen sich auf 415 Mark. Am
28.Mai 1903 stellte der Stadtmagistrat auch den zur Erweiterung des Schießhauses
erforderlichen Platz kostenlos zur Verfügung. >>>>>
Am 7.Oktober gleichen Jahres erfolgte die Vorlage der Pläne zur
behördlichen Überprüfung und Genehmigung. Drei Tage später,
am 10.Oktober, veranstaltete die Schützengesellschaft zum Abschied
von den alten Räumen des Schießhauses ein Konzert mit Tänzchen.
Der endgültige Beschluß zur Erweiterung des Schießhauses
ging am 5.Juni 1903 voraus. Man war sich einig darüber, den großen
Saal in der ganzen Länge gegen die Straße zu um 6,20 Meter zu
verlängern, ferner neue Schießstände zu errichten sowie
die Abortverhältnisse zu verbessern. Ende Juni 1904 war der Umbau
zufriedenstellend abgeschlossen. Das Tagblatt schrieb damals:
"Es erscheint leichter, mit großen Geldern etwas Neues zu bauen,
als sparsam mit dem Alten zu rechnen und doch dem ästhetischen und
praktischen Bedürfnisse gerecht zu werden. Wir müssen gestehen:
hier ist es erreicht worden. Ein Kompliment nicht allein dem Architekten,
sondern auch dem Schützenmeisteramt, vor allem Herrn Georg Krauss
jun., welchem die Bauaufsicht und was alles drum und dran hängt, viel
Zeit, Mühe und Nachdenken kostete, denn wenn der Baumeister die Baupläne
des Architekten in der Hand hat, so ist damit noch lange nicht gesagt,
daß nun Alles seinen glatten Weg geht, besonders wenn der Architekt
selbst wenig nachsehen kann und die Detailpläne spärlich sind.
>>>>>
Der Bau will die stufenweise Entstehung nicht verbergen. Das braucht
er aber auch nicht; denn die Jedem offenkundige Rücksichtnahme auf
die einmal gegebenen Verhältnisse bietet dem Auge keinen Anstoß,
im Gegenteil, man sieht da um so lieber nach, wenn das Problem der Anpassung
schön und sparsam gelöst ist. Betrachten wir uns manch anderen
Großbau, welcher sich nach dem Bedürfnis dehnen mußte;
er freut uns schließlich mehr, als ein moderner Bau aus einem Guß'.
Der eines Hauptes höhere Mittelbau (Saalbau) fügt sich, zur Coburger
Straße vorspringend, den alten Bau zu den Seiten und im Rücken
für Nebenzimmer, Wirtschaftszwecke und die Schützenstände
belassend, dem Alten schön ein, der Fries von Oberlichtern an den
Seiten und über den Seitenschiffen' dient der Beleuchtung, Lüftung
und dem Schmuck zugleich; der Saal, weldier auch zwei Eingänge an
den Längsseiten besitzt, der Vorraum und die speziell und zunächst
Schützenzwecken dienenden, aber leicht anders zu richtenden mittleren
Räume gegen die Scheibenstände zu, können, dank dem Saalabschluß
mit Rolläden, sozusagen in einen, und zwar ebenen Raum verwandelt
werden. Dieser vermag alsdann bei schlechtem Wetter schier den ganzen Festplatz
aufzunehmen. Die Saaldecke ist leicht gewölbt, wir hätten eine
sichtbare, naturfarbene Holzdecke, weil für den Anblick freundlicher
und wärmer, vorgezogen. >>>>>
Die Musik ist über dem Vorplatz in einer, nach dem Saal zu offenen,
vom Vorplatz ersteigbaren Nische untergebracht. Rechts vom Vorplatzeingang,
diesem zunächst, sind zwei Separatzimmer für Tanzflüchtige,
dann geht es am Saal vorbei zur Küche und Speise; die Küche ist
zweckmäßig mit einem großen Dunst- und Lichtschacht versehen.
Links in der Mitte sind die auch zur Garderobe und zu weiteren Aufenthaltsräumen
verwendbaren Schützenstände; die Schänke gleich am Eingang
(links), bedient nach außen und nach innen. Auf der anderen Seite
der Schützenstände im Hintergrunde links befinden sich die Aborte.
Ein Kabel führt zu den Scheiben. Einige weite, schöne Korbbogenfenster
schaffen reichliches Licht, wo solches besonders nötig ist; die Türen
sind geschmackvoll. Das im modernen Stil gehaltene maßvolle Zierwerk
des Baues, zeigt den Nachkommen die Entstehungszeit an. Zu dem wohlgelungenen
Bau wünschen wir der Gesellschaft und der Stadt von Herzen Glück!"
Beim Freischießen 1904 bestand der erweiterte Bau seine Feuerprobe.
Beim Festessen am Schlußtag dieses Schießens konnte 1. Schützenmeister
Heinrich Schardt dem Kommerzienrat Georg Krauss, als der Seele des Bauvorhabens,
den besonderen Dank der Schützengesellschaft aussprechen.
Der Geehrte lenkte das Lob auf die Allgemeinheit ab und hob hervor,
wie doch der Gesamtvorstand, unterstützt von seinen Mitgliedern, aber
auch von der Stadt, so ersprießlich zusammengearbeitet habe.
Der Neu- und Umbau des Schießhauses stellte sich insgesamt auf
34.936,50 Mark. >>>>>
Dieser Betrag schlüsselte sich in folgende Einzelsummen auf:
| für Neu- und Umbau |
31.172,61 Mark
|
| für Einrichtung |
1.562,30 Mark
|
| für Herstellung der Schießstände |
1.029,00 Mark
|
| für Bauleitung |
886,00 Mark
|
| für sonstige Ausgaben |
286,59 Mark
|
| Zusammen |
34.936,50 Mark
|
Beim An- und Umbau waren folgende Firmen beteiligt:
Der Barbedarf an Baumitteln wurde aufgebracht durch Schuldverschreibungen
25.000 Mark, Kapitalaufnahme 6.000 Mark, aus dem Reservefonds 2.087,50
Mark, durch Gesellschaftszuschüsse 1.800 Mark und sonstige Einnahmen
49 Mark, zusammen 34.936,50 Mark.
1905 mußte die Schützenfahne wiederum gründlich instandgesetzt
werden. Abermals sprangen die Schulschwestern hilfsbereit zur Beseitigung
der aufgetretenen Altersschäden ein.
Im Jahre 1906 wurde innerhalb der Schützengesellschaft eine Zimmerstutzen-Schützen
Abteilung gebildet. Nach Errichtung eines eigenen Standes, konnte am 27.November
1906 im Schießhaus erstmals mit Zimmerstutzen geschossen werden.
Schon 1907 setzten die Vorbereitungen zur Hundertjahrfeier der Scharfschützengesellschaft
ein. Mit Erfolg wurden umfangreiche Maßnahmen zur Beschaffung einer
Jubiläums- und einer Königskette eingeleitet. Das Tagblatt brachte
am 16.Februar 1907 den ersten Aufruf, sich zur würdigen und feierlichen
Begehung des frohen Festes rechtzeitig zu rüsten. Die Lichtenfelser
Bürgerschaft, seit alter Zeit eine herrliche Pflanzstätte guter
deutscher Sitte, wurde zur tätigen Mithilfe in Gemeinschaft mit der
Schützengesellschaft aufgerufen. >>>>>
Im Juni 1908 erfolgte die Einrichtung eines Wildstandes. Ausführende
waren Baumeister Diroll und Zimmermeister Meidel von hier sowie die Bauschlosserei
Trostdorf in Coburg. Das Jahr 1909 stand völlig im Zeichen der bevorstehenden
Zentenarfeier. Nicht nur die Schützen, ganz Lichtenfels rüstete
sich zum hohen Fest. Doch darüber soll das "Goldene Buch", das aus
Anlaß der Jubelwoche kunstvoll angelegt wurde, Aufschluß geben.