| Kinderfest
zum Schützenfest 1949
Erinnerungen der Familie Schwarz, die 1945 aus Schlesien flüchtete, nach Lichtenfels kam und bis 1953 hier lebte |
Chronik-Inhalt |
Auszug aus dem Artikel im Obermain-Tagblatt Lichtenfels, vom 24.April
2003
Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Gernot Schwarz, Stuttgart
Ein besonderes Fest im Jahr war für uns Kinder im Juli das Schützenfest
auf dem Anger.
Aufgestellt hat man sich hinter dem Finanzamt in der Kronacher Straße,
in Richtung Michelau.
Entweder war ich ein Seppel, oder ein Werdenfelser, oder ein Indianer
mit prächtigem Federschmuck auf dem Kopf.
Alles an meiner Schwester bestand hier aus Papier, bis auf die weißen
Söckchen und die weißen Schuhe.
Ganz besonders freute ich mich auf die "Freikarten", die das Rathaus
Lichtenfels den Flüchtlingskindern zu Gute kommen ließ. Gutschein
für das Kettenkarussell, eine Wundertüte, eine Bratwurst, ein
Los für einen Bär und für ein Eis.
Unten am Schützenplatz sah man durch den blauen Dunst der Bratwurststände,
die alten und jungen Lichtenfelser Schützen und viele Werdenfelser,
aber auch die bekannten Gesichter der zahllosen Flüchtlinge.
Es roch nach Tannenreisig, Bier, nach "Türkischem" Honig, gerösteten
Mandeln und nach allen Arten von Brause.
Überall war es knackevoll, in den Zelten, dazwischen, und im
Flüchtlingslager hinter dem Anger. Überall wurde gegessen und
getrunken.
Laut spielten dabei Volksmusiker aus dem nahen Kulmbach.
![]() |
Das Kinderfest zum Schützenfest im Juli war und ist alljährlich
ein Höhepunkt in Lichtenfels.
Das Foto aus dem Jahre 1949 zeigt Kinder bei der Aufstellung zum Festzug durch die Stadt. Darunter befindet sich Anemone Schwarz (vorne, mit einem kunstvoll gefertigten Papierkleid), die mit ihrer Familie aus Schlesien geflüchtet war. |